Die Weissgeldstrategie

Ich bin auch ein wandelnder Bankomat.

Fast täglich wird man als Weisser in einem Entwicklungsland mit dem Dilemma konfrontiert, dass man (zu Recht) als wohlhabend und (zu Unrecht?) als freigiebig angesehen wird. Beispiele gefällig?

a)    Ein Kind winkt, sagt «Hallo» und möchte dann Geld.

b)   Ein alter, offenbar blinder Mann wird von seinem Enkel zwischen stockenden Autokolonnen herumgeführt und bettelt.

c)    Ein Mann aus Liberia braucht dringend 7 Franken, um mit seinem Bruder ins Flüchtlingscamp zurückzukehren.

d)   Ein junger Mann aus der Elfenbeinküste, den man einige Tage zuvor an der Grenze kennengelernt hat, erzählt bei einem Treffen in Accra, dass ihm 2000 Franken (!) gestohlen wurden. Er hatte das Geld für eine Geschäftsidee zur Seite gelegt. Nun hat er kein Geld mehr und übernachtet im Busbahnhof. Einige Tage später fragt der Mann, ob man ihm nicht eine Arbeit habe – er stecke in einer verzwickten Situation…

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Reise ins Ungewisse

Menschen fliehen vor der Gewalt in der Elfenbeinküste.

Die politische Pattsituation und die Kämpfe in der Elfenbeinküste beeinträchtigen das Leben der Menschen. Hunderttausende sind auf der Flucht – im Land und in den Nachbarländern – meldet die UNO.

In der ghanaischen Grenzstadt Elubo habe ich mit Leuten gesprochen, deren Leben auf den Kopf gestellt wird. Ivorer, die nicht wissen, wann sie wieder heim können. Und Immigranten aus westafrikanischen Ländern, welche die Elfenbeinküste verlassen.

 

Der Beitrag lief am 14. März 2011 auf DRS 4 News, Schweizer Radio und Fernsehen SRF.

Ich war drei Tage zuvor aufs Geratwohl an die Grenze gereist, nachdem eine lokale Radiostation 300 Flüchtlinge pro Tag gemeldet hatte. Diese Zahl konnte ich nicht nachvollziehen – ich zählte an einem Tag 15 Reisecars – also 1200 Menschen. Nicht alle flüchten – sie haben so unterschiedliche Geschichten, dass es praktisch unmöglich ist, genaue Angaben zu machen. Wer ist Flüchtling? Wer will Asyl? Wer reist nach Hause? Wer geht zu Verwandten? Wer reist bald wieder zurück? Doch genau diese persönlichen Geschichten der Menschen fand ich interessant und eindrücklich.

Mode aus Müll

Aus Plastiksäcken entstehen «Trashy Bags».

Dreissig Nähmaschinen machen einen Höllenlärm im Erdgeschoss des Hauses in Accra. Doch die Nadeln rattern nicht über Stoff, sondern über Plastik. Aus farbigen Yoghurt- und Eis-Tüten und durchsichtigen Wassersachets entstehen hier Geldbeutel, Rucksäcke und Sporttaschen.

Eine Frau näht eine Tasche aus gebrauchten Glace-Beuteln.

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Achtung, Kinder!

«Obruni!» lautet der Schlachtruf.

Zumindest war es der Schlachtruf der Kinder an der ersten Strasse, an welcher ich wohnte. Für die meisten Kinder ist «Obruni!» – übersetzt: «Weisser!» – ganz einfach eine Gelegenheit zum Winken und vielleicht auch um ihre eigene Existenz zu bestätigen. Der Obruni winkt dann nett zurück und geht seines Weges.

Bei den Kindern meiner Strasse verhielt es sich anders. Der Obruni wurde von einer Horde Kinder attackiert, die dann glucksend an seinen Kleidern, Tragtaschen und Armen hingen. Die restlichen Meter zum Haus verliefen eher stockend, vor dem Tor legte einer der Frechdachse dann los: «Obruni, give me money!» Äh, nein… – Dann halt was Süsses! – Auch nicht. – Kauf mir einen Plastikhammer wie mein Freund ihn hat! Nach Obrunis freundlichem aber bestimmten Goodbye folgte trotzdem das Spiel: «Wer wagt sich in Obrunis Hof?», dem die gestrenge Hauswärterin Auntie Sarah ein Ende setzte.

Und so sieht es aus, wenn sich eine Horde Ghanaerli auf den Obruni stürzen.

Hiermit wurde das unvermeidliche Thema herzige Kinder abgehandelt, versprochen! Weitere Bilder aus dem ersten Monat in Accra gibts hier.