Monatsarchive: April 2011

Bild zum Sonntag (VI)

Der Kejetia-Markt ist angeblich der grösste offene Markt Westafrikas.

5. April 2011, Kumasi, Ghana.

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Umweltbehördenbelästigung

Ein Interview bei der Umweltschutzagentur braucht Nerven.

Weinroter Teppich, hellgrüne Wände, geschlossene Vorhänge und hohe Zeitungsstapel auf dem Tisch – ich kenne mittlerweile jedes Detail dieses Büros. Leuchtstoffröhren und eine laute Klimaanlage machen den Raum kühl. Meine Stimmung ist auf dem Gefrierpunkt. Bereits zum vierten Mal sitze ich bei der Umweltschutzbehörde und warte.

Angefangen hatte es einige Wochen zuvor. Für einen Beitrag über Elektroschrott in Ghana wollte ich nicht (wie die meisten Medien) nur Umweltorganisationen zu Wort kommen lassen, sondern auch einen Vertreter des Staates. Ich könne am Montag vorbeikommen, sagte mir die nette Dame aus der PR-Abteilung am Telefon. Weiterlesen

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Bild zum Sonntag (V)

Mitglieder der «Ghana Climbing Association» bezwingen eine Felswand.

Krobo Hill, Ghana, 17. April 2011.

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Schirmherren

Ein Festival zu Ehren des Ashanti-Königs und der Ahnen.

Endlich kommt der König. Eigentlich kommt er nicht, sondern wird von seinen Untertanen in einer geflochtene Sänfte getragen. Ashanti-König Otumfuo Osei Tutu II formt mit seinen Armen einen Kreis und schlägt dann mit seinen Händen gegen die Brust. Die Geste bedeutet «ihr gehört alle mir».

Natürlich ist das heute nicht mehr so. Das Ashanti-Volk wird in Ghana wird von denselben Politikern regiert wie die anderen Volksgruppen. Doch der König behält eine wichtige Funktion im Land. Wer Ghanas Präsident werden will, muss beim König vorsprechen.

Beim Akwasidae-Festival ist der König der Chef auf dem Platz. Dutzende Chiefs aus den Provinzen kommen, um ihm Tribut zu zollen. Begleitet werden sie von Trommlern, einige präsentieren ihre historischen Waffen. Und jeder Chief hat einen Schirm – je wichtiger der Mann, desto grösser der Schirm. Die Chiefs bringen dem König Geschenke mit, Geld, Schafe, Alkohol.

Beim Akwasidae-Festival werden auch die vergangenen Herrscher geehrt. Das findet jedoch nicht auf dem Platz vor dem Königspalast statt, sondern dort, wo frühere Paläste gestanden haben. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit bietet der König den Seelen der Toten eine spezielle Mahlzeit an. Die Seelen der Herrscher ziehen sich nach dem Tod in ihre Stühle zurück, so der Ashanti-Glaube.

Noch heute besitzt jeder lokale Chief einen solchen Stuhl, oft ein Hocker geschnitzt aus einem Stück Holz. Doch auch komfortablere Versionen mit Lehne und Polster kommen vor. Die lokalen Chiefs wirken heute ebenfalls nur noch beratend im politischen Leben mit. Etwa Bafou Adoko Abo II, er ist erst seit drei Monaten Chief, seinen Beruf hat er deswegen nicht aufgegeben: «Die Zeiten haben sich geändert, früher war es so, das Chiefs überhaupt nicht gearbeitet haben, sondern sich auf die Beiträge ihrer Untertanen verliessen. Wir passen uns jedoch der Gegenwart an, ich gehe täglich zur Arbeit.»

Der König hingegen arbeitet nicht. Was nicht heisst, dass er nichts zu tun hat. Aber sein Geld verdient er mit den Bodenrechten in seiner Gegend. Im Boden gibts Gold. Und so fährt der König zum Schluss des Festivals in seinem neuen Rolls Royce die wenigen Meter in den Palast zurück.

(Bilder Lemapress)

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Bild zum Sonntag (IV)

Kiffender Junge setzt Kabelknäuel in Brand, um an den Kupfer zu kommen.

Agbogbloshie, Accra, Ghana, 29. März 2011.

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Rooney und der Lastwagen

Ein Fussballabend mit Grossleinwand.

Ghanaer sind fussballbegeistert, besonders englischer Fussball hat es ihnen angetan. Kaum einer, der nicht Fan ist von Chelsea oder einem anderen englischen Grossklub. Wenn also in der Champions League Chelsea auf Manchester United trifft, ist das ein Grossereignis. In der Marktstadt Kumasi trafen sich gestern gut 500 Fussballfans auf der Kreuzung vor dem Imbiss «Dimlite» zum Duell.

Die besten Szenen des Spiels sind im folgenden Tondokument zusammengefasst.

* Tor von Rooney!
* Misslungene Flanke von Essien.
* Chance für Chelsea mit anschl. kurzem Bildausfall.
* Pause. Ein Lastwagen will vorbeifahren.
* Grosse Verwirrung: Auf der Leinwand sieht die 0 bei Chelsea plötzlich aus wie eine 1.
* Rooney schiesst ein Offsidetor.
* Manchester-Fans gratulieren mir.

Unauffällige Aufnahmen inmitten von Menschen mache ich gerne mit meinem Originalkopf-Mikrofon. Das Mikro sieht aus wie ein Kopfhörer, zwei Knöpfe in den Ohren zeichnen die Umgebung genau so auf, wie auch ich sie wahrnehme. Mein Rekorder, wenn auch ebenfalls klein und unauffällig, erregt hier immer wieder Misstrauen. Oder jemand will sein Handy gegen mein cooleres «Handy» tauschen…

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