Johnson & Johnson

Die neue Präsidentin Liberias bleibt wohl die alte.

Bei den Präsidentschaftswahlen in Liberia kam Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf (UP) auf 44 Prozent aller Stimmen. Herausforderer Winston Tubman (CDC) auf 33 Prozent. Damit kommt es zwischen den beiden zu einer Stichwahl.

Noch am Wochenende hatte Winston Tubman laut «Betrug» geschrien, seine Wahlbeobachter zum Rückzug aufgefordert und angekündigt, die Stichwahl zu boykottieren. Die angekündigten Beweise für den Wahlbetrug veröffentlichte seine Partei dann aber doch nicht. Gewisse Politiker in Westafrika geben sich gerne mal als Besitzer von Beweisen aus, die sie aber «noch nicht» veröffentlichen würden.

Bei der Wahl überraschend gut abgeschnitten hat Prince Johnson, früher Kriegsherr, heute Senator des Bezirks Nimba. Johnson liess vor 21 Jahren dem damaligen Präsidenten Samuel Doe die Ohren abschneiden und ihn schliesslich von seinen Rebellen töten. Doe war nicht bereit, seine Kontoangaben herauszugeben. Das Video dazu kursiert im Internet und ist unschön anzusehen.

Heute ist Prince Johnson ein christlicher Priester. Für die Stichwahl setzte er sich zum Ziel, mit seinen 12 Prozent der Stimmen das Zünglein an der Wage zuspielen. Er wolle an der Macht teilhaben, sagte er ganz offen, und verhandle deswegen mit beiden Seiten. Unterdessen hat er sich entschieden, Ellen Johnson-Sirleaf zu unterstützen. Diese sei das kleinere Übel. Dafür will er 30 Prozent der Regierungsposten für seine Partei.

Die Friedensnobelpreisträgerin zeigte sich darob weder erfreut noch abgeneigt. Sie sagte bloss gegenüber der BBC, sie arbeite mit allen Liberianern zusammen. Prince Johnson denkt offenbar ganz pragmatisch: Johnson-Sirleaf bleibe ja nur noch 6 Jahre an der Macht, Tubman hingegen könne 12 Jahre Präsident bleiben, verkündete er.

Für «Ma Ellen» dürfte es mit oder ohne Johnsons Unterstützung nicht schwer sein, nochmals zur Präsidentin gewählt zu werden.

Immerhin haben Johnson-Sirleaf und Johnson etwas gemeinsam: Beiden wurde von der Wahrheitskommission nach dem Bürgerkrieg empfohlen, für einige Zeit auf aktive Politik zu verzichten. Beide tun es nicht. Die Stichwahl in Liberia findet am 8. November statt.

Eine Zwischenbilanz der Wahlen in Liberia habe ich am 19. Oktober 2011 für DRS4News gezogen.

(Die Wahlen fanden aber nicht am Wochenende statt, sondern am Dienstag, 11. Oktober.)
Im Bild übrigens Journalisten bei der erstmaligen Präsentation des Wahlzettels im Büro der Wahlkomission in Monrovia.

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