Der langsamste Express der Welt

Eine Seefahrt, die ist lästig.

Vielleicht war der alte Portugiese ja ein Omen. Er tauchte urplötzlich beim Hafen auf, um sich zu beschweren, wie verantwortungslos und gefährlich die Schiffahrt sei. Von wegen Ebbe und Verspätung und so. Wir hatten vor, mit dem «Expresso dos Bijagos» von Bissau nach Bubaque zu fahren – vier Stunden Fahrt.

Am Morgen darauf enterten wir wie empfohlen «spätestens» um 8 Uhr die Fähre. Wir waren die ersten Passagiere, Abfahrtszeit war 10 Uhr. Der «Expresso dos Bijagos» ist eine blaue Rostlaube und liegt schief im Wasser. Wir fanden uns glücklicherweise auf dem Schiff nebenan wieder, einer frisch eingetroffenen gebrauchten Autofähre aus Griechenland. Das also war der Vorteil der teureren Tickets…

Der Kapitän der Fähre wies mich gleich nach der Begrüssung darauf hin, dass die Passagiere der Rostlaube voraussichtlich auch mit uns mitfahren würden. Unterdessen füllten sich beide Schiffe langsam.

Um halb 10 kam ein Holzlaster, die Holzbretter wurden von Hand aufs Schiff geladen. Gegen Schluss, um halb 12, war das schon leichter, weil der Meeresspiegel unterdessen gegen zwei Meter gesunken war. Dann folgte ein Massenexodus von der blauen Rostlaube – das Schiff hatte keine Erlaubnis erhalten, abzulegen. Nun wurden Kind und Kegel, Kühltruhen und Kühe in unserer Fähre verstaut – um 12 Uhr ging es endlich los.

Der Archipel von Bijagos ist eine Gruppe von grünen Inseln vor der Küste Guinea-Bissaus. Unser Ziel war Bubaque, eines der grösseren Inseldörfer mit einigen Hotels und vielen kolonialen Ruinen. Die Fahrt führte kurvend zwischen den hundert Inseln hindurch.

Bis das Schiff zu rütteln begann. Mehrmals ertönte ein tiefes, unheimliches Knirschen. Und dann ein abrupter Stop. Wir waren auf einer Sandbank aufgelaufen. Weder vorwärts noch rückwärts gings, die Schraube spülte bloss sandigen Schlamm an die Wasseroberfläche. Nach 10 Minuten Geruckel wurde schliesslich der Anker gesetzt.

Was nun? Immerhin hatte es Schwimmwesten unter dem Sitz. Doch wer sollte uns in Guinea-Bissau retten? Das Land ist mausarm, kann sich kaum eine Küstenwache leisten und ist deshalb beliebtes Drogenschmugglerdomizil. Immerhin war am Horizont eine Insel zu sehen. Es war halb 3 Uhr, offensichtlich Ebbe.

Nach eineinhalb Stunden setzte die Flut ein. Die Fähre hob den Anker und setzte sich langsam in Bewegung. Doch war sie unversehrt?

Sie war. Zum Sonnenuntergang um halb 7 erreichten wir Bubaque. Das halbe Dorf erwartete am «Hafen» die Familienmitglieder, Touristen und Holzbretter.

Auf der Rückfahrt fuhren wir pünktlich los. Wir touchierten den Grund nur einige Male leicht. Ich hatte auch fast nicht mehr Todesangst.

Als Belohnung fürs Lesen gehts hier zum supergrossen Hafen-Wimmelbild!

4 Antworten auf „Der langsamste Express der Welt“

  1. Hallo…
    ich möche wissen viviel mal pro woche fährt das schif von Bissau nach Bubaque
    und zurück
    Danke Johann

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