Fokn Bois: Provokation in Pidgin

Die «Fokn Bois» sind das erste alternative Hiphop-Duo Ghanas. Mit ihrem Musikfilm «Coz ov Moni» wollen sie das wahre Leben zeigen.

Der Festival-Abend in Accra neigt sich dem Ende entgegen. Eine schicke Soul-Sängerin ruft «Merry Christmas» ins Publikum. Da entert ein barfüssiger Rasta mit Rock die Bühne. In seinem Freestyle-Rap schimpft er auf geldgierige Kirchen und rappt für homosexuelle Beziehungen. Heisse Eisen im konservativen Ghana! Dann wünscht auch er frohe Weihnachten und hebt seinen Rock – die Unterhose im Stil einer Santa-Mütze verursacht einen kollektiven Aufschei im Publikum.

Das ist Wanlov the Kubolor – ghanaisch-rumänischer Rapper und agent provocateur. Gemeinsam mit dem Rapper und Produzenten Mensa bildet er das Duo «Fokn Bois». Die beiden rappen im Pidgin-Slang, einer Englisch-Variante mit viel Lokalkolorit.

Witze über alles

Provokation gehört zum Erfolgsrezept der Fokn Bois. Sie machen sich lustig über Nigerianer, Jesus, Muslime, Behinderte – und immer auch über sich selbst. Etwa im Song «Come home + Me», wo sie sich um eine Frau streiten: Mensa bezeichnet Wanlov als schlechte Bob Marley-Kopie, worauf dieser auf Mensas graue Haare und seinen angeblichen Viagra-Gebrauch zu sprechen kommt.

Der Song ist Teil des Musikfilmes «Coz ov Moni» (Wegen des Geldes). «Der Film zeigt einen Tag im Leben von zwei Typen in Accra», erzählt Wanlov. «Geplant war das erst Musik-Album. Doch dann haben wir gemerkt: Wow, das könnte auch ein Film sein!»

Die Szenen wurden dann in Ghanas Hauptstadt Accra gedreht. Sie handeln dort, wo sich das normale Leben abspielt: draussen. Am Strassenrand essen die Fokn Bois das Nationalgericht Fufu und loben die Köchin nicht nur für ihre Kochkünste. Sie rennen zwischen Lehm- und Wellblechhäusern herum, um an Geld und schöne Kleider zu kommen. Der halbstündige Streifen ist in der Handlung simpel, doch stets unterhaltsam, auch wenn man nicht alle Scherze versteht.

Erfolg im Ausland

«Coz ov Moni» zeigt ein reales Abbild Ghanas. Es geht nicht um schicke Clubs oder dicke Schlitten, wie das Videos anderer Ghana-Rapper zeigen. Damit heben sich die Fokn Bois von der populären Musikszene des Landes ab, welche stets aufs Geld schielt. Das sei Mikrowellenmusik, auf die Schnelle produziert, so Wanlov. Mensa und er würden den Trends nicht folgen. «Wir machen uns bloss lustig darüber, während wir heimlich neidisch sind, wenn andere damit Geld machen.»

Immerhin, im Ausland sind die Fokn Bois und Wanlov als Solo-Künstler erfolgreicher als ihre lokalen Beatgenossen. Das liegt daran, dass sie nicht US-Künstler kopieren, sondern ihren eigenen Stil suchen und finden. Und beide haben auch die Aussenperspektive auf Ghana. Mensa lebt in London, Wanlov war einige Jahre in den USA und ist inzwischen wieder in Accra. «Man muss aus dem Aquarium raus, um den Ort zu sehen, in welchem die Fische schwimmen», sagt Wanlov.

Alte Schulfreunde

Die Fokn Bois sind alte Schulfreunde. Wanlov hat Mensa jeweils mit faulen Ausreden aus dem Klassenzimmer geholt. «Dann gingen wir irgendwohin, trommelten einen Beat und rappten dazu.» Zur Zusammenarbeit kam es jedoch erst Jahre später. Das Konzept des Pidgin-Musicals entstand in den USA, wo Wanlov zeitweilig gelebt hat. «Wenn wir zusammen sind, kommen die Ideen stets von selbst.» Die Distanz sei wohltuend, so Wanlov. Beide verfolgen auch noch ihre Solo-Karrieren.

Bei den Fokn Bois ist Mensa eher der musikalische Kopf, Paradiesvogel Wanlov das Aushängeschild. «Und ich bin für die Frauen zuständig», lacht er, hat er doch mittlerweile vier Kinder mit vier verschiedenen Frauen aus aller Welt.

Nun kommt die zwei zum ersten Mal in die Schweiz. Auch wegen des Geldes. Schon lange war nämlich eine Fortsetzung des Filmes geplant. Doch die Promotion wurde vernachlässigt. «Wir wollen jetzt mit Teil 1 so viel Geld verdienen, damit wir Teil 2 bereits finanziert haben.» Dass den Fokn Bois die Ideen ausgehen, ist nicht zu befürchten.

Dieser Artikel erschien am 12. Januar in der Berner Zeitung «Der Bund» – als Vorschau auf das Norient Musikfilm-Festival. Der Besuch des Festivals hat sich bisher stets gelohnt.

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