Piraten: Die Gefahr im Golf von Guinea

Afrikas Westküste ist unterdessen gefährlicher als die Gewässer im Osten des Kontinents.

Lange Zeit brachte man das Thema Piraten mit Somalia in Verbindung. Doch in den letzten Jahren geriet neben dem Horn von Afrika immer mehr auch der Golf von Guinea im Westen des Landes in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: in der ersten Jahreshälfte 2013 kam es im Westen zu 30 Angriffen auf Schiffe (Tendenz leicht steigend), vor Somalia grad mal auf sieben (stark zurückgehend).

Küstenwache in Kamerun, Boot von den USA. © US Navy

Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen den Piraten von Somalia und jenen von (zumeist) Nigeria. Im Westen wollen die Piraten die Ladung der Schiffe, in Somalia ist die Taktik noch immer die Entführung der Seeleute und Lösegeld-Erpressung. Das bedeutet, dass die Piraten im Golf von Guinea ohne Rücksicht auf Verluste ziemlich brutal vorgehen können, was offenbar auch passiert (PDF).

Der Osten Afrikas ist eine Transitzone, die Interessen westlicher Staaten an einer gefahrlosen Durchfahrt sind gross, deshalb auch das Engagement der EU mit der Anti-Piraten-Operation Atalanta. Im Westen wird primär Handel mit den Anrainerstaaten getrieben (klassisch: Rohstoffe weg, Endprodukte hin).

Ein anderer wichtiger Unterschied: im Westen Afrikas gibt es (im Gegensatz zu Somalia) handlungsfähige Nationen, die zusammenkommen können. So ein Treffen ist am 24./25. Juni 2013 in Yaounde über die Bühne gegangen – mit Teilnehmern aus elf Staaten West- und Zentralafrikas, darunter die Präsidenten Kameruns Paul Biya, Nigerias Goodluck Jonathan, Gabuns Ali Bongo und Alassane Ouattara aus der Elfenbeinküste.

Das Resultat ist die Einrichtung eines regionalen Zentrums zu Koordination und Erforschung des Phänomens Piraterie sowie ein Verhaltenskodex, den die Staaten am Golf von Guinea einhalten wollen. Für das Zentrum werden nun zusätzliche Gelder von internationalen Gebern gesucht. Der Verhaltenskodex verpflichtet die Staaten, wichtige Informationen zu teilen sowie Piraten und ihre Boote zu bekämpfen und verfolgen. Dies sollte bis anhin schon selbstverständlich gewesen sein. Doch wie die Erfahrung am Horn von Afrika gezeigt hat, ist eine internationale Zusammenarbeit auf See nicht so schnell zu realisieren.

Mit dem Treffen von Yaounde ist ein Schritt in die richtige Richtung getan. Doch um die Piraterie im Golf von Guinea einzudämmen, bleibt viel, sehr viel zu tun. Das Hauptproblem bleibt nach wie vor die mangelnde Ausrüstung der lokalen Küstenwachen, wie ich auch schon beschrieben habe. Dazu kommen schwache Institutionen der Staaten aber auch die Staaten-Union. So lastet die Aufgabe auf den USA, sollte man denken, welche grosses Interesse an den Erdölvorkommen der Region besitzen. Doch die Piraten greifen meist nicht die Rohöl-Tanker an, sondern jene mit bereits raffiniertem Benzin, das sie leicht weiterverkaufen können. Zudem finden die meisten Angriffe vor Westafrika in territorialen Gewässern statt, eine internationale Militärmission ist damit schwieriger zu realisieren als vor Somalia. Immerhin unterstützen die USA westafrikanische Staaten mit Booten und Training.

Ein nächstes derartiges Treffen zum Thema maritime Sicherheit ist für in drei Jahren geplant. Genügend Zeit, um mit vereinten Kräften die Piraterie und die damit einhergehende Kriminalität (sogar den Terrorismus?) an Land zu bekämpfen. Ob das gelingt, ist anzuzweifeln. Denn mit der steigenden Wirtschaftskraft im Westen Afrikas steigt auch das Interesse der Piraten, Schiffe auszurauben.

Dieser Beitrag wurde am 25. Juni 2013 bei SRF 4 News gesendet.

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