Tansanias Steuereintreiber setzen auf Elektronik

Kleine Geschäfte in afrikanischen Ländern sind nur schwer zu besteuern. Tansania versucht es mittels elektronischen Geräten.

In einem einfachen Strassenrestaurant mit Plastikmöbeln in der tansanischen Kleinstadt Babati wird Tilapia serviert, ein Fisch aus dem nahe gelegenen See. Als es ans Bezahlen geht, druckt die Bedienung die Quittung mit einem portablen Apparat aus.

Die elektronischen Geräte, etwa so gross wie ein Kreditkartenlesegerät, haben sich in den letzten Jahren in Tansania verbreitet. Damit will der Staat mehr Steuereinnahmen generieren. Der informelle Sektor ist in afrikanischen Ländern nur schwer zu besteuern.

Die meisten Staaten im subsaharischen Afrika geben gegenwärtig mehr Geld aus, als sie einnehmen. Tansania budgetiert für nächstes Jahr Ausgaben von umgerechnet rund 14 Milliarden Franken. Die Einnahmen liegen mit 10 Milliarden um einiges tiefer. Die Mehrwertsteuer (18 Prozent) hat daran einen beträchtlichen Anteil. Kein Wunder, versucht die Regierung seit Jahren, die Steuereinnahmen zu steigern. Die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer sind denn auch in den letzten Jahren stets zweistellig gewachsen. Aber noch haben sich die kleinen Apparate nicht so stark verbreitet, wie die Behörden wünschen. Das erstaunt nicht, denn ein solches Gerät kostet umgerechnet 350 Franken. Das müssen die Unternehmen selbst finanzieren. Ihr Vorteil ist, dass sie die Einnahmen nicht mehr persönlich im Steuerbüro melden müssen, wo man ohne finanzielle Beschleunigung stundenlang in der Schlange steht. Auch das manuelle Ausfüllen von Formularen fällt weg. Die neuen Geräte sparen also Zeit und schonen die Nerven – sofern Strom vorhanden ist, um sie aufzuladen.

Kenia und Malawi kennen die «elektronische Mehrwertsteuer» schon länger, Ghana führt sie demnächst ein. Natürlich können trotz den Geräten Steuern hinterzogen werden, etwa indem eine Transaktion zurückdatiert wird. Wer früher Steuern «optimierte», wird dies auch in Zukunft tun. Die neue Technologie ändert nicht die Mentalität. Das Gerät wird unterdessen auch von Tansanias Polizei in ihren eleganten weissen Uniformen benutzt. Die Busse kann per Mobiltelefon bezahlt werden. So landet sie beim Staat, nicht in der Tasche des Polizisten.

Dieser Text erschien am 21. Juni 2018 in der Neuen Zürcher Zeitung.

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