Chinas Militärbasis in Dschibuti weckt Ängste im Westen

Peking gibt in Ostafrika nicht nur wirtschaftlich den Ton an, sondern expandiert in Dschibuti auch militärisch.

Die ausländischen Militärbasen in Dschibuti liegen nahe beeinander.

Das ostafrikanische Dschibuti scheint kein besonders gesegnetes Land zu sein. Es ist klein, heiss und unwirtlich. Viele Menschen sind arm, Bodenschätze sind Mangelware.

Doch Dschibutis Trumpf ist seine geografische Lage. Im Kleinstaat drängen sich Militärbasen verschiedenster Staaten. Nur wenige Kilometer voneinander entfernt haben die USA, Frankreich und Japan Truppen stationiert – und seit 2017 auch China.

Lange wollten die Chinesen nichts von einer militärischen Expansion ins Ausland wissen. Sie kritisierten die USA für ihre Basen in Übersee. Doch nun manifestiert sich ein Paradigmenwechsel. Die erste ausländische Basis Chinas sorgt bei westlichen Militärs für Bauchschmerzen.

Das künftige Singapur Afrikas?

Dschibuti liegt an der Meerenge von Bab al-Mandab, welche das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbindet. Ein Grossteil der Handelsgüter zwischen Europa und Asien fährt hier durch. Das lockt Piraten an, weswegen viele Staaten in Dschibuti Marine-Einheiten stationiert haben.

Dschibuti hegt grosse Pläne. Das Land will zum Singapur Afrikas werden – ein Umschlagplatz von Waren im globalen und afrikanischen Handel.

China finanzierte und baute dafür fast alles: den neuen Hafen, eine Freihandelszone und die Eisenbahn nach Äthiopien. Dschibuti ist bei China mit 1,4 Milliarden Dollar verschuldet – über zwei Drittel des Bruttoinlandproduktes.

Abhängigkeit von China wächst

Gerät Dschibuti in Chinas Schuldenfalle? Das Risiko ist gross, glaubt die China-Sicherheitsexpertin Helena Legarda. Sri Lanka musste deswegen unlängst seinen Hafen abtreten. Legarda sieht noch ein weiteres Problem: «Wenn die Wirtschaft so abhängig ist von China, kann China Druck ausüben auf politische Entscheidungen der Regierung.»

Die USA fürchten, im Machtpoker von Dschibuti langfristig den Kürzeren zu ziehen. China könnte Dschibuti etwa dazu auffordern, US-Aktivitäten einzuschränken. Die USA führen von Dschibuti aus ihren Drohnenkrieg in Somalia und Jemen. Auch China nutzt seine Basis nicht nur zur Bekämpfung von Piraterie. Es will seine Bürger im Ausland beschützen und notfalls repatriieren. In Afrika lebt und arbeitet rund eine Million Chinesen.

Dschibutis Einsatz im Machtpoker

Die chinesische Militärbasis von Dschibuti sei ein erster Test, glaubt China-Expertin Legarda: «Es ist ein Modell für künftige Basen. Chinas Militär weitet seine globale Präsenz aus.» Konflikte sind vorprogrammiert. Vor einem Jahr warfen die USA den Chinesen vor, dass sie US-Kampfpiloten in Dschibuti mit Lasern geblendet hätten. China bestreitet das.

Dass sich China wirtschaftlich, politisch und militärisch im strategisch gut gelegenen Dschibuti etabliert, weckt im Westen Ängste. Denn viele Ziele von China bleiben im Dunkeln. Dschibutis Aussenminister gibt sich diplomatisch: «Unsere Motivation ist es, befreundeten Ländern zu helfen.»

Derzeit spielt Dschibuti seine Karten geschickt. Doch vielleicht pokert es bei der Partnerschaft mit China doch etwas hoch.

Dieser Beitrag erschien am 22. April 2019 auf SRF Online. Eigentlich hätte ich in Dschibuti recherchieren und drehen sollen. Das Informationsministerium hatte mir eine Akkreditierung versprochen. Die erhielt ich jedoch nie, obwohl sie mir praktisch jeden Tag angekündigt wurde. Schliesslich sagte sogar der Experte ab, den ich in Nairobi für ein Interview angefragt hatte. Sh!t happens. Der Fernsehbeitrag entstand dann aus Archivmaterial.

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