Südudans Nationalhymne gehört dem Staatschef

Die Nationalhymne des Südsudans wird zu oft gespielt. Darum soll sie künftig dem Präsidenten vorbehalten sein.

Südsudans Präsident Salva Kiir. (Bild Norwegisches Aussenministerium)

«Die Hymne ist nur für den Präsidenten, nicht für jedermann», gab der Informationsminister des Landes kürzlich zu Protokoll. Ausnahmen sind für Schulen und Botschaften vorgesehen. Minister, Staatssekretäre, Gouverneure – alle würden an offiziellen Anlässen die Hymne singen, erklärte der Informationsminister. Das passt Präsident Salva Kiir offenbar nicht, darum hat er das Verbot an der letzten Kabinettssitzung angeordnet. Noch ist unklar, welche Strafe beim widerrechtlichen Absingen der Hymne droht.

Der Südsudan ist der jüngste Staat der Welt. Die Abspaltung vom Sudan wurde 2011 international gefeiert. «Gerechtigkeit, Freiheit und Wohlstand sollen für immer weiter regieren» (Zitat Nationalhymne), so die Hoffnung auch im Land. Doch es kam anders. Kiir und sein damaliger Vizepräsident Riek Machar zerstritten sich und stürzten das Land in einen Bürgerkrieg. Aus dem «Land der Fülle» (Zitat Hymne) wurde eines der ärmsten Länder der Welt. Ein Viertel der Bevölkerung musste fliehen, fast 400 000 Menschen kamen durch direkte oder indirekte Folgen des Krieges ums Leben.

Zwar einigten sich Kiir und Machar 2015 und dann nochmals 2018 darauf, die Macht unter sich aufzuteilen. Im April dieses Jahres bat sogar Papst Franziskus die beiden bei einem Besuch im Vatikan, den Konflikt doch zu beenden. Das Bild des Papstes, welcher vor zwei unbeirrbaren Kriegsherren kniete, sorgte für Irritationen. Geholfen hat die Geste nicht: Der Besuch in Rom ging ohne konkrete Resultate zu Ende.

Was genau den Staatspräsidenten dazu gebracht hatte, das Singen der Nationalhymne in seiner Abwesenheit zu verbieten, erschloss sich Beobachtern auch Tage später nicht – es ist ohnehin nicht das dringlichste Problem des Landes. Doch so sind Despoten, sie haben das Gefühl, das Land gehöre ihnen. Folglich gehört ihnen auch die Landeshymne. Diese endet übrigens mit der Zeile: «Oh Gott, segne Südsudan.» Das Land kann es brauchen.

Dieser Artikel erschien in der Neuen Zürcher Zeitung vom 26. Juli 2019.

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