Archiv der Kategorie: Blog

Erbsenzählerei der Opposition

Die Wahlen in Ghana haben ein Nachspiel. Die Oppositionspartei NPP hat beim obersten Gericht Beschwerde eingereicht.

Endlich wird wahr, was die NPP drei Wochen lang angekündigt hat: sie ficht die Wiederwahl von Präsident Mahama (NDC) an. Insgesamt 1.34 Millionen Stimmen (12% aller Stimmen) seien irregulär, so die Opposition, das könne man vor Gericht beweisen. Würde man diese irregulären Stimmen nicht in Betracht ziehen, wäre NPP-Kandidat Nana Akufo-Addo gewählt, erklärte sein Vize Mahamudu Bawumia.

Beispiele für Unregelmässigkeiten legte die NPP an einer Medienkonferenz vor. Der genaue Inhalt der Klageschrift von gestern Freitag gegen das Wahlresultat ist indes weiterhin nicht bekannt. Journalisten konnten nach der Medienkonferenz keine Fragen stellen. Dies sind Hinweise darauf, dass die Klage der NPP auf einem schwachen Fundament steht.

Die hohe Zahl der irregulären Stimmen mag auf den ersten Blick erschrecken. Doch leider bleibt unklar, wie die NPP zu ihren Angaben kommt. Die Grundfrage ist: Wurde systematisch betrogen oder sind es bloss Ungenauigkeiten und Flüchtigkeitsfehler auf den pinken Resultatblättern? Weiterlesen

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Wieso Ghana gewinnt

Egal, wer die Wahl am 7. Dezember für sich entscheidet, ein Sieger steht bereits fest – es ist das Land selbst.


Der Konsum ghanaischer Medien in den letzten Wochen hinterliess gelegentlich einen schalen Nachgeschmack. Da wurden Skandale und Skandälchen herumgeboten. Ein Auszug aus dem Wahlregister etwa zeigte offensichtlich minderjährige, registrierte Wähler. Es kam und kommt laufend zu verbalen Angriffen zwischen Politikern aller Parteien, darunter auch rassistische Ausfälligkeiten. Die Oppositionspartei New Patriotic Party (NPP) beklagte sich über Einschüchterungsversuche gegenüber ihrer Wählerschaft. Mitglieder der Regierungspartei National Democratic Congress (NDC) haben offenbar staatliche Gelder für den Wahlkampf missbraucht.

Die Grenze zwischen NDC und NPP verläuft noch immer primär entlang ethnischer Linien. Beide Parteien haben ihre Hochburgen und scheuen sich besonders dort nicht, im Falle einer Wahl Strassen, Brücken und sogar internationale Flughäfen zu versprechen. Wähler-Umfragen ergeben keinen klaren Favoriten – es wird eng werden. Und je enger das Rennen, desto grösser die Gefahr von Zwischenfällen, die Verlockung, die Wahlen zu manipulieren.

Doch das sind Kleinigkeiten – verglichen mit den positiven Aspekten. Weiterlesen

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Mit Afrika angelegt

Das Magazin «Stocks» stimmt in den Afrika-Lobgesang mit ein, meint aber etwas anderes.

«Afrika steigt auf» titelt das Schweizer Anleger-Magazin «Stocks», jetzt sei der Zeitpunkt für Anleger gekommen. Das Heft schlägt damit in dieselbe Kerbe wie andere Wirtschaftspublikationen seit Monaten. Auf sechs Seiten wird dargelegt, wieso «Aufsteiger Afrika» für Investitionen ein lohnendes Ziel abgibt. Leider hat der Text einige Macken.

  • Afrikas Länder entwickeln sich höchst unterschiedlich. Während Ghana wirtschaftlich (und politisch) aufsteigt, ist Mali grad wieder mal zurück auf Feld 1 gehüpft. Die Schweiz ist ja auch nicht Griechenland.
  • Von den im Magazin zitierten Analysten und Firmenchefs stammt nicht einer aus Afrika. Auch der Journalist war natürlich nicht dort.
  • Die Beispiele sind zufällig bis schlecht gewählt. Die Wachstumszahlen der Mobiltelefonie im vergangenen Jahrzehnt waren beeindruckend. Doch der Plafond ist erreicht. Das Grundwasservorkommen (übrigens nicht neu vermessen) ist tatsächlich gross. Doch was es in diesem konkreten Fall dem Kontinent oder dem Anleger bringen soll, bleibt offen.
  • «Stocks» fokussiert auf das Thema Rohstoffe. Die Ausbeutung afrikanischer Rohstoffvorkommen schreitet seit Jahrzehnten voran. Doch deswegen ist der Kontinent bisher nicht aufgestiegen.
  • Das Magazin bietet weder ein Beispiel eines afrikanischen Start-Ups, eines KMUs oder eines erfolgreichen Unternehmers. Die gibts tatsächlich – jeweils montags bei der BBC.

Die meisten afrikanischen Börsen sind klein und eignen sich kaum für ausländische Investoren. Das schreibt auch «Stocks». Also will das Magazin eigentlich gar nicht in Afrika investieren. Wie Marco Spichiger, UBS-COO für «Griechenland, Israel und Afrika» (!) im Interview sagt, gibt es gar keine reinen Sub-Sahara-Afrika-Fonds. Folglich muss man auch in Zukunft auf hiesige Unternehmen setzen, die in Afrika ihr Geschäft verrichten.

Mit den Anlagetipps von «Stocks» steigt nicht Afrika auf, sondern der Rohstoffhändler in Zug oder am Genfersee.

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Typisch Ghana – die letzte Liste

Die beliebtesten Accessoires, mit welchen sich Ghanaerinnen und Ghanaer umgeben:

Plastikstuhl
Ideal, um an einem warmen Tag unter dem Mangobaum vor sich hinzudösen. Oder im Büro auf jemanden zu warten.

Aluschüssel
Transportiert Wasser, Gemüse, Einkäufe und hilft bei der Wäsche.

Handy
Unterdessen gibt es in Ghana fast 20 Millionen Handy-Abos auf 24 Millionen Einwohner. Besonders beliebt: Geräte für zwei SIM-Karten. Besonders praktisch: eine integrierte Taschenlampe.

Perücken
In Accra sieht man mehr Frauen mit falschen als mit echten Haaren. Weiterlesen

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Putsche und Wahlen in Westafrika

Wie demokratisch ist die Region?

Abdoulaye Wade hatte ein Einsehen. Noch am Tag der Stichwahl (25. März 2012) gratulierte der senegalesische Präsident seinem Herausforderer Macky Sall zum Wahlsieg. Damit hat der Senegal seinen Status als demokratischen Staat, der er seit dem Erlangen der Unabhängigkeit 1960 ist, gefestigt, auch wenn die Demokratie im Vorfeld der Wahlen auf der Kippe zu stehen schien.

Neben dem Senegal gelten in Westafrika auch Ghana und Benin als funktionierende Demokratien, mit Abstrichen darf man Nigeria, Niger, Liberia, Sierra Leone und derzeit die Elfenbeinküste dazuzählen. Doch das kann sich schnell ändern, wie das Beispiel von Mali zeigte. Das Land galt als politisch stabil – bis zu einem Putsch vor wenigen Wochen. In der Folge wurde die Nordhälfte des Landes von einer Allianz aus Tuareg-Kämpfern und Islamisten besetzt. Die Putschisten versprechen, bald Wahlen abzuhalten. Ein derzeit unrealistisches Szenario.

Und nun Guinea-Bissau: Der Premierminister und der Interimspräsident wurden am Donnerstag von Soldaten aus ihren Häusern geholt. Das Militär vertrieb Demonstranten aus den Strassen und schloss Radiostationen. Premierminister Gomes Júnior, von dem man erwartete, dass er die Präsidentschaftswahlen gewinnen würde (im ersten Wahlgang erzielte er 49 % der Stimmen), plante, das Militär zu verkleinern. In Guinea-Bissau sind viele Generäle in den Drogenschmuggel mit südamerikanischen Kartellen verwickelt. Das kleine Land mit seinen über hundert Inseln ohne Küstenwache ist ein Umschlagplatz für Kokain Richtung Europa.

Das Militär verspricht baldige Wahlen. Es scheint kein Interesse daran zu haben, sich offiziell an der Macht zu halten. Ebenso wenig will es Missstände im Land beseitigen. Einziges Ziel ist offenbar, weiterhin ungestört die Drogengeschäfte abwickeln zu können. Aus diesem Grund ist Guinea-Bissau eine Putschhochburg und wird es wohl weiterhin bleiben.

Auch im 21. Jahrhundert gehören Staatsstreiche zum politischen Alltag Westafrikas. Im Gegensatz zu früher halten sich jedoch die Putschisten nicht mehr jahrelang an der Macht. Relativ rasch werden jeweils Wahlen organisiert – auch als Reaktion auf internationalen Druck. In Mali und Guinea-Bissau etwa reagierte die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) schnell mit der Androhung von wirtschaftlichen Sanktionen und forderte von den Militärs Neuwahlen.

Wie demokratisch die Wahlen schliesslich ablaufen, ist als Aussenstehender oft schwer zu beurteilen. Doch dank mobilem Internet und SMS werden die Resultate einzelner Wahlbüros heute in Windeseile verbreitet. Im Senegal etwa wurden zwei Stunden nach der Schliessung der Büros Resultate auf Twitter veröffentlicht. Wer diese aufaddierte, erhielt bereits den Trend, der auch dem Schlussresultat entsprach. Wahlbetrug wird somit in Zukunft erschwert. Möglicherweise hat Senegals Präsident Wade deshalb Herausforderer Sall so rasch gratuliert – ein Umbiegen der Resultate wäre schlicht nicht möglich gewesen. Eine Zukunft mit mehr Demokratie in Westafrika ist möglich.

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Worst of Ghana

Nach den Top 10 nun auch die Flop 10 – alles Üble auf einen Streich:

Offroader
Die übelsten Fahrer sitzen nicht in den Taxis. Je breiter, stärker und neuer der Wagen, desto übler die Fahrweise des Insassen. Auf Ghanas Strassen gilt das Recht des Stärkeren, wer einen Kuhfänger vor der Motorhaube hat, gewinnt immer. Und wer schnell auf Touren kommt, überholt links, rechts oder zwischen den Spuren. Zudem scheuen es viele Fahrer alter Autos, einen Zusammenstoss mit einem Neuwagen zu riskieren – zu teuer!

Essgewohnheiten
Die lokalen Stärkeklumpen (Banku, Kenkey, Fufu) werden von Ghanaern verehrt und in Rekordzeit verschlungen. Während des Essens wird nicht kommuniziert. Und nach dem Essen steht man gleich wieder auf. Ghanaer mögen es gemütlich mögen – aber garantiert nicht beim Food. Weiterlesen

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