Putsche und Wahlen in Westafrika

Wie demokratisch ist die Region?

Abdoulaye Wade hatte ein Einsehen. Noch am Tag der Stichwahl (25. März 2012) gratulierte der senegalesische Präsident seinem Herausforderer Macky Sall zum Wahlsieg. Damit hat der Senegal seinen Status als demokratischen Staat, der er seit dem Erlangen der Unabhängigkeit 1960 ist, gefestigt, auch wenn die Demokratie im Vorfeld der Wahlen auf der Kippe zu stehen schien.

Neben dem Senegal gelten in Westafrika auch Ghana und Benin als funktionierende Demokratien, mit Abstrichen darf man Nigeria, Niger, Liberia, Sierra Leone und derzeit die Elfenbeinküste dazuzählen. Doch das kann sich schnell ändern, wie das Beispiel von Mali zeigte. Das Land galt als politisch stabil – bis zu einem Putsch vor wenigen Wochen. In der Folge wurde die Nordhälfte des Landes von einer Allianz aus Tuareg-Kämpfern und Islamisten besetzt. Die Putschisten versprechen, bald Wahlen abzuhalten. Ein derzeit unrealistisches Szenario.

Und nun Guinea-Bissau: Der Premierminister und der Interimspräsident wurden am Donnerstag von Soldaten aus ihren Häusern geholt. Das Militär vertrieb Demonstranten aus den Strassen und schloss Radiostationen. Premierminister Gomes Júnior, von dem man erwartete, dass er die Präsidentschaftswahlen gewinnen würde (im ersten Wahlgang erzielte er 49 % der Stimmen), plante, das Militär zu verkleinern. In Guinea-Bissau sind viele Generäle in den Drogenschmuggel mit südamerikanischen Kartellen verwickelt. Das kleine Land mit seinen über hundert Inseln ohne Küstenwache ist ein Umschlagplatz für Kokain Richtung Europa.

Das Militär verspricht baldige Wahlen. Es scheint kein Interesse daran zu haben, sich offiziell an der Macht zu halten. Ebenso wenig will es Missstände im Land beseitigen. Einziges Ziel ist offenbar, weiterhin ungestört die Drogengeschäfte abwickeln zu können. Aus diesem Grund ist Guinea-Bissau eine Putschhochburg und wird es wohl weiterhin bleiben.

Auch im 21. Jahrhundert gehören Staatsstreiche zum politischen Alltag Westafrikas. Im Gegensatz zu früher halten sich jedoch die Putschisten nicht mehr jahrelang an der Macht. Relativ rasch werden jeweils Wahlen organisiert – auch als Reaktion auf internationalen Druck. In Mali und Guinea-Bissau etwa reagierte die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) schnell mit der Androhung von wirtschaftlichen Sanktionen und forderte von den Militärs Neuwahlen.

Wie demokratisch die Wahlen schliesslich ablaufen, ist als Aussenstehender oft schwer zu beurteilen. Doch dank mobilem Internet und SMS werden die Resultate einzelner Wahlbüros heute in Windeseile verbreitet. Im Senegal etwa wurden zwei Stunden nach der Schliessung der Büros Resultate auf Twitter veröffentlicht. Wer diese aufaddierte, erhielt bereits den Trend, der auch dem Schlussresultat entsprach. Wahlbetrug wird somit in Zukunft erschwert. Möglicherweise hat Senegals Präsident Wade deshalb Herausforderer Sall so rasch gratuliert – ein Umbiegen der Resultate wäre schlicht nicht möglich gewesen. Eine Zukunft mit mehr Demokratie in Westafrika ist möglich.

Worst of Ghana

Nach den Top 10 nun auch die Flop 10 – alles Üble auf einen Streich:

Offroader
Die übelsten Fahrer sitzen nicht in den Taxis. Je breiter, stärker und neuer der Wagen, desto übler die Fahrweise des Insassen. Auf Ghanas Strassen gilt das Recht des Stärkeren, wer einen Kuhfänger vor der Motorhaube hat, gewinnt immer. Und wer schnell auf Touren kommt, überholt links, rechts oder zwischen den Spuren. Zudem scheuen es viele Fahrer alter Autos, einen Zusammenstoss mit einem Neuwagen zu riskieren – zu teuer!

Essgewohnheiten
Die lokalen Stärkeklumpen (Banku, Kenkey, Fufu) werden von Ghanaern verehrt und in Rekordzeit verschlungen. Während des Essens wird nicht kommuniziert. Und nach dem Essen steht man gleich wieder auf. Ghanaer mögen es gemütlich mögen – aber garantiert nicht beim Food. „Worst of Ghana“ weiterlesen

Agathas Laden

Containershops stehen in Ghanas Hauptstadt an jeder Strassenecke.

Jeden Tag steht Agatha vor ihrem Container. Und jeden Tag fahre ich mit dem Velo daran vorbei. Fein säuberlich aufgereiht sind Konserven, Getränke, Waschmittel und vieles mehr. Reich wird sie damit nicht. Agathas halbjährige Tochter schläft derweil hinter dem Tresen. „Agathas Laden“ weiterlesen

Best of Ghana

Nein, das Beste an Ghana ist nicht der Strand. Meine Top 1o:

Essensstände
Verglichen mit andern Ländern Westafrikas ist der Streetfood in Ghana sauberer. Die Verkäuferinnen achten darauf, dass keine Fliegen ans Essen kommen und der Reis heiss bleibt. Für einen Franken kann man anständig satt werden.

Lokales Bier
Gulder, Star, Stone, Club, Castle Milk Stout – die lokalen Biere schmecken alle. Der einzige Nachteil ist die Flaschengrösse von 6.25 dl – doch man gewöhnt sich rasch daran. „Best of Ghana“ weiterlesen

Lisa und die Asylbewerber

And now for something completely different…

Die 14jährige Lisa nervt sich über die Radioreporterin Sybille Seller, welche reisserisch und selbstgerecht über Kriminalfälle berichtet. Kurzerhand beschliesst Lisa, die Fälle selbst zu untersuchen. Gemeinsam mit dem Rentner Leo aus ihrer Nachbarschaft schafft es Lisa, die Fälle vor der Reporterin zu lösen.

In Fall drei geht es um ein Asylbewerberheim, das in Flammen steht. Hier ein Ausschnitt:

Die Hörspielreihe «Ein Fall für L&L» (hier auch zum Nachhören) habe ich für die Kindersendung «Zambo» von Schweizer Radio und Fernsehen SRF geschrieben. Die vier Fälle wurden im Frühling 2012 ausgestrahlt. Eine Fortsetzung ist in Arbeit.

Ein flotter Zug in Accra

Zwei moderne Züge – und viele Probleme im Rest des Landes.

Der Angestellte am Bahnhof Accra ist sehr hilfsbereit. Zusammen mit einem Kollegen versucht er, die Abfahrtszeiten der Züge zu rekonstruieren. Nach einigen Minuten habe ich einen Fahrplan für die Strecke Accra-Tema zusammen, der in etwa stimmen könnte. Natürlich gibt es den Fahrplan, bloss ist er weder online noch offline ersichtlich. Die Züge fahren jeweils zweimal morgens und abends.

„Ein flotter Zug in Accra“ weiterlesen

Thank you America!

Eine neue Strasse bringt neue Gefahren.

Zehn Menschen sind vorgestern in Accra umgekommen – im Minibus sitzend, als ein Lastwagen auf sie raufdonnerte. Der Fahrer des Trucks wollte einem Auto ausweichen, das eine Kehrtwende machte. Das Lichtsignal an der Kreuzung hat offenbar nicht funktioniert.

Passiert ist der Unfall auf dem brandneuen «George W. Bush Highway». Die wichtigste Umfahrung Accras, 14 Kilometer von der Accra Mall bis zur berüchtigten Mallam-Junction, ist endlich fertiggestellt. Geplant wurde die Strasse von Ghanas erstem Präsidenten Kwame Nkrumah. Nach diesem war der Highway ursprünglich benannt, doch schliesslich haben die Amerikaner den Bau mitfinanziert.

Das neue Tempo auf den bis zu 10 Spuren überfordert viele Ghanaerinnen und Ghanaer. Am ersten Tag sollen drei Fussgänger beim Überqueren der Strasse gestorben sein, zehn in der ersten Woche. Die wenigen Überführungen liegen weit auseinander, einige Fussgängerampeln funktionieren nicht, und längst nicht alle Autofahrer akzeptieren Lichtsignale. So rennt man denn möglichst schnell über den todbringenden Highway, egal ob die Ampel rot oder grün oder gar nichts anzeigt.

Die Dankbarkeit Ghanas entlang dem neuen Highway ist unübersehbar.

Der Youssou-Effekt

Wie Youssou Ndours Bein die Proteste im Senegal medial dominiert.

«Mit dem Internet können wir die internationalen Medien korrigieren», erklärte mir Basile Niane am Rande einer Medienkonferenz. Senegals Chefblogger ist begeistert von den Möglichkeiten des Netzes, berichtet selbst ausführlich via Handy und Kurznachrichtenplattform Twitter von den Ereignissen.

Seine Kritik an den Medien: ständig wird über den Sänger Youssou Ndour berichtet. Nach der Entscheidung des Verfassungsrates, Ndour nicht zur Wahl zuzulassen, den Präsidenten hingegen schon, gingen viele Senegalesen auf die Strasse. «Internationale Medien meldeten, die Leute würden wegen Youssou Ndour protestieren! Dabei ging es um den Präsidenten», so Niane.

Dasselbe ist am Dienstag wieder passiert.  „Der Youssou-Effekt“ weiterlesen