Die Weissgeldstrategie

Ich bin auch ein wandelnder Bankomat.

Fast täglich wird man als Weisser in einem Entwicklungsland mit dem Dilemma konfrontiert, dass man (zu Recht) als wohlhabend und (zu Unrecht?) als freigiebig angesehen wird. Beispiele gefällig?

a)    Ein Kind winkt, sagt «Hallo» und möchte dann Geld.

b)   Ein alter, offenbar blinder Mann wird von seinem Enkel zwischen stockenden Autokolonnen herumgeführt und bettelt.

c)    Ein Mann aus Liberia braucht dringend 7 Franken, um mit seinem Bruder ins Flüchtlingscamp zurückzukehren.

d)   Ein junger Mann aus der Elfenbeinküste, den man einige Tage zuvor an der Grenze kennengelernt hat, erzählt bei einem Treffen in Accra, dass ihm 2000 Franken (!) gestohlen wurden. Er hatte das Geld für eine Geschäftsidee zur Seite gelegt. Nun hat er kein Geld mehr und übernachtet im Busbahnhof. Einige Tage später fragt der Mann, ob man ihm nicht eine Arbeit habe – er stecke in einer verzwickten Situation…

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Mode aus Müll

Aus Plastiksäcken entstehen «Trashy Bags».

Dreissig Nähmaschinen machen einen Höllenlärm im Erdgeschoss des Hauses in Accra. Doch die Nadeln rattern nicht über Stoff, sondern über Plastik. Aus farbigen Yoghurt- und Eis-Tüten und durchsichtigen Wassersachets entstehen hier Geldbeutel, Rucksäcke und Sporttaschen.

Eine Frau näht eine Tasche aus gebrauchten Glace-Beuteln.

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Achtung, Kinder!

«Obruni!» lautet der Schlachtruf.

Zumindest war es der Schlachtruf der Kinder an der ersten Strasse, an welcher ich wohnte. Für die meisten Kinder ist «Obruni!» – übersetzt: «Weisser!» – ganz einfach eine Gelegenheit zum Winken und vielleicht auch um ihre eigene Existenz zu bestätigen. Der Obruni winkt dann nett zurück und geht seines Weges.

Bei den Kindern meiner Strasse verhielt es sich anders. Der Obruni wurde von einer Horde Kinder attackiert, die dann glucksend an seinen Kleidern, Tragtaschen und Armen hingen. Die restlichen Meter zum Haus verliefen eher stockend, vor dem Tor legte einer der Frechdachse dann los: «Obruni, give me money!» Äh, nein… – Dann halt was Süsses! – Auch nicht. – Kauf mir einen Plastikhammer wie mein Freund ihn hat! Nach Obrunis freundlichem aber bestimmten Goodbye folgte trotzdem das Spiel: «Wer wagt sich in Obrunis Hof?», dem die gestrenge Hauswärterin Auntie Sarah ein Ende setzte.

Und so sieht es aus, wenn sich eine Horde Ghanaerli auf den Obruni stürzen.

Hiermit wurde das unvermeidliche Thema herzige Kinder abgehandelt, versprochen! Weitere Bilder aus dem ersten Monat in Accra gibts hier.

Zur Lage der Nation

Der Präsident spricht, ich muss draussen bleiben.

«Action!», jubeln die vier Damen in den traditionellen Kleidern und recken ihre Fäuste in die Luft. Immer wieder: «Action!» Fünfhundert Ghanaerinnen und Ghanaer sitzen und stehen in der Mittagshitze unter einem offenen Zelt. Die Rufe gelten dem Präsidenten John Atta-Mills, der gleich nebenan vor dem Parlament seine dritte Rede zur Lage der Nation hält. 2011 werde ein «year of action», so der «Professor», wie ihn seine Anhänger liebevoll nennen. In seiner Rede verspricht Atta-Mills, das Geld aus den Ölprojekten sorgfältig zu verwenden, gegen Drogenschmuggel vorzugehen und nicht mit Militär in die Elfenbeinküste einzumarschieren. „Zur Lage der Nation“ weiterlesen

Unter Agenten

Ein nervenaufreibender und schweisstreibender Thriller

Nein, zu dunkel.
Nein, zu dunkel.

Agent 001 finden wir über Kontakte in der Schweizer Botschaft. 001 hilft uns bei unserer konspirativen Angelegenheit – der Suche nach Wohnraum in Accra. Unsere Bedingungen: Eine Wohnung (kein Haus!) 500 bis 1000 Franken Miete im Monat, 1-2 Schlafräume, möbliert, Klimaanlage und gute ÖV-Anbindung. Mit 001 schauen wir vier Wohnungen an, keine überzeugt uns absolut. Nach wenigen Tagen gehen ihm die Ideen aus.

Unterdessen haben wir jedoch weitere Agenten aufgespürt. „Unter Agenten“ weiterlesen

Beim Coiffeur

Im tropischen Klima empfiehlt sich ein flotter Kurzhaarschnitt.

Coiffeur Martin ist 35 Jahre alt und arbeitet in Accra als Friseur. Sein Laden «Dandy Barbering Salon» befindet sich in einem Container am Strassenrand beim Villenviertel Airport Residential. Der Container gehört seinem Bruder, darin hat es Platz für einen Coiffeurstuhl, zwei Warteplätze und einen Fernseher.

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