Eissa Muhamad – zwischen den Ländern steckengeblieben

Ein Mann aus Niger sitzt seit einem halben Jahr am Flughafen von Addis Abeba in Äthiopien fest.
 
Eissa Muhamad am Flughafen von Addis Abeba.

Der junge Mann wirkt etwas orientierungslos. In T-Shirt, kurzen Hosen und Flipflops schlurft er im Terminal 2 des Flughafens Addis Abeba umher, in der Hand einen weissen Plastiksack. Doch Eissa Muhamad ist kein Flugreisender, er ist gestrandet.

Seine Odyssee begann in Israel. Dort hatte er während sieben Jahren gelebt, als die Regierung das Vorgehen gegen Migranten verschärfte. Eissa Muhamad wurde festgenommen und sass einige Monate in Haft. Schliesslich schickten ihn die Israeli mit einem temporären Reisedokument nach Niger. Dort hingegen liess man den 24-Jährigen ohne belegbare Identität nicht einreisen.

Die Fluggesellschaft brachte ihn zurück nach Tel Aviv. Erneut wurde Muhamad dort Richtung Afrika verfrachtet, er hätte via Äthiopien nach Niger reisen sollen. Doch als er in Addis Abeba umsteigen hätte umsteigen sollen, stellte sich heraus, dass man ihn weder in Niger noch in Israel ins Land lassen würde. Inzwischen war auch sein temporäres Reisedokument abgelaufen. Die Fluggesellschaft liess Muhamad am Flughafen von Addis Abeba zurück.

Essen von Angestellten

Seit November 2018 sitzt Muhamad ohne Papiere und ohne Perspektive im Terminal 2 fest. «Ich habe kein Zimmer, keine Dusche, c’est la vie», beschreibt der junge Mann seinen Alltag. Die Nacht verbringt er meist in der Moschee des Flughafens, einem kleinen Raum in einer Ecke des Terminals. Manchmal schläft er auch zwischen Reisenden auf einer Bank.

Immerhin muss der Nigrer nicht hungern. Unterdessen kennen ihn alle am Flughafen, darum erhält er von Angestellten Essen. Manchmal geben ihm Reisende Geld, damit er sich etwa eine Zahnbürste oder Seife kaufen kann. Doch unlängst wurde die Tasche mit seinen Habseligkeiten aus dem Moschee-Raum gestohlen. Es war nicht viel, doch es war alles, was er hatte.

Dass Menschen zwischen zwei Länder geraten und an einem Flughafen stranden, kommt immer wieder vor. Das bekannteste Beispiel ist Mehran Karimi Nasseri aus Iran. Er lebte achtzehn Jahre am Flughafen Charles de Gaulle in Paris. Seine Geschichte wurde später von Steven Spielberg verfilmt, mit Tom Hanks in der Hauptrolle – «The Terminal» heisst der Hollywood-Blockbuster.

Ohne Papiere keine Ausreise

Muhamad wähnt sich im falschen Film. Seine einzige Möglichkeit, so beschied ihm das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, sei, sich in Äthiopien als Flüchtling registrieren zu lassen. Dafür müsste er den Flughafen verlassen. Doch das will Muhamad nicht, Äthiopien ist ihm fremd. «Ich will nach Hause», sagt er.

Ohne Pass wird ihm das nicht gelingen. Seine Dokumente habe er während der langen Reise via Libyen und Ägypten nach Israel verloren. Und auch der Familie in Niger sei es nicht gelungen, die notwendigen Belege aufzutreiben, die seine Herkunft zeigen würden. «Heute wird man in Niger elektronisch registriert», erklärt Muhamad, «doch als ich geboren wurde, gab es das noch nicht.» Die nigrische Botschaft in Äthiopien fühlt sich nicht zuständig. Auch die Internationale Organisation für Migration (IOM) reagiere nicht auf seine Anfragen, so Muhamad. Mit dem Handy hält er Kontakt zur Aussenwelt. Das Einzige, was es am Flughafen gratis gibt, ist drahtloses Internet. Doch seine Hilferufe auf Twitter verhallen ungehört.

Muhamad macht sich auf seinen täglichen Spaziergang. Vorbei an Duty-free-Shops und Souvenirläden, vorbei an Reisenden, die mit dem Nackenkissen um den Hals Richtung Gate marschieren, vorbei an Menschen mit geräuschunterdrückenden Kopfhörern, die im «London Café» an einer überteuerten Pizza kauen.

Schon viele Reisende hätten versprochen, ihm zu helfen, erzählt Muhamad: «Leute aus Westafrika, aus Mali, aus Côte d’Ivoire – Diplomaten. Sie wollten mir Papiere verschaffen.» Damit könnte er ausreisen und dann auf dem Landweg nach Niger zurückkehren. Doch nichts dergleichen ist geschehen. «Es ist immer dasselbe», seufzt Muhamad und schaut auf das Rollfeld, wo sich eine Maschine Richtung Piste bewegt.

Dieser Artikel ist am 4. Mai in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen.

Alaa Salah, Frauen im Sudan und die Hoffnung auf ein besseres Leben

Bei den Protesten im Sudan spielen Frauen eine wichtige Rolle. Sie wollen endlich mehr Freiheiten erhalten.

Das Bild ging um die Welt: die Studentin Alaa Salah steht auf einem Autodach und feuert eine Menge Protestierender an. Auch im Sudan ist die 22jährige unterdessen so bekannt, dass sie kaum mehr alleine an die Proteste gegen das Regime gehen kann. „Alaa Salah, Frauen im Sudan und die Hoffnung auf ein besseres Leben“ weiterlesen

Kenias Ice Lions – das einzige Eishockeyteams Ostafrikas

Die Ice Lions trainieren auf einem zu kleinen Eisfeld in Nairobi. Trotzdem träumen die Spieler von Olympia.

Doch der Traum ist weit weg. Derzeit versuchen die Ice Lions, sich offiziell als Eishockeyteam beim kenianischen Sportministerium zu registrieren. Dann müsste das Team vom Internationalen Eishockeyverband und vom nationalen olympischen Komittee anerkannt werden. Mit dem aktuellen Eisfeld im Panari Hotel könnte dies schwierig werden.

In den letzten sieben Jahren haben die Ice Lions jedoch viel erreicht. Die ersten kenianischen Hockeyspieler gingen ab 2012 mit einer Gruppe Expats aufs Eis. Vor drei Jahren waren es dann genügend Kenianer, um ein eigenes Team zu gründen. Heute spielen rund 30 Kenianer Eishockey, regelmässig im Training sind 20 SpielerInnen.

Die Ice Lions wurden zum begehrten Subjekt für Werbung. Die kanadische Schnellimbisskette Tim Hortons lud sie nach Kanada ein, wo sie NHL-Spieler trafen. Der chinesische Internethändler Alibaba drehte mit ihnen einen Spot für die Olympischen Winterspiele in Südkorea.

Das Eishockey gibt den Spielern die Möglichkeit, für einige Stunden dem Alltag zu entfliehen. Oder wie es Gedion Amiani sagt: «Das Spielen macht mich glücklich. Hier in der Halle fühle ich mich zuhause.»

Der Beitrag lief am 24. Februar 2019 im Sportpanorama von Fernsehen SRF. Kamera: Marion Bernet

Verbotene Liebe in Nairobi

Kenia könnte gleichgeschlechtlichen Sex legalisieren. Die Kirchen wehren sich, für sie ist es unafrikanisch, und «ein gefährliches Experiment». Die Schwulen und Lesben möchten endlich ohne Angst leben können.

Szene aus dem Film «Rafiki».

Die Luft ist stickig, die Musik laut, die Stimmung gut. Kamau umarmt einen alten Freund. «Das ist George», erzählt er, «er ist verheiratet und hat zwei Kinder.» George und Kamau, die ihren richtigen Namen nicht preisgeben möchten, sind homosexuell, wie die meisten Gäste im Klub im Zentrum Nairobis. Der Raum ist voll, die jungen Leute geniessen die Samstagnacht. Zwei Frauen küssen sich innig. Einige Männer tanzen eng zum Reggae-Beat. „Verbotene Liebe in Nairobi“ weiterlesen