Gedanken über eine Grossstadt im Dunkeln

In Nigerias Metropole Lagos fällt oft der Strom aus – aber nicht immer.

Kaum ist man angekommen, geht im Hotelzimmer das Licht aus. Auch die Klimaanlage läuft nicht mehr. Es bleibt nichts anderes übrig, als in der Dunkelheit zu warten.

Stromausfälle gehören in Nigeria zum Alltag. Das Hotelzimmer im gehobenen Quartier Victoria Island der Millionenstadt Lagos war nicht gerade günstig, trotz abgeschabtem Teppich und bröckelndem Badezimmer. Und nun sollte eigentlich der Generator anspringen. Doch nichts geht.

Lagos, Stadt der Gegensätze.

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Cambridge Analytica in Kenia – oder wie heikel politische PR in Afrika ist

Afrikas Herrscher greifen gerne auf westliche Kommunikationsberater zurück. Deren Tun kann dort aber andere Folgen haben als im Westen.

Die Aussagen bergen Zündstoff: «Wir haben das Parteiprogramm geschrieben, Forschung und Analysen gemacht. Wir schrieben alle Reden und haben die ganze Sache inszeniert.» Geht es nach Mark Turnbull, Geschäftsführer von Cambridge Analytica, hat die Firma quasi im Alleingang eine Partei durch die Wahlen geführt. Zumindest sagte er das vor den versteckten Kameras des britischen Channel 4. Zudem sei die Partei mit neuem Namen und Logo versehen worden.

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Afrika strebt die grösste Freihandelszone der Welt an – ohne Nigeria und Südafrika?

Die Afrikanische Union will freien Handel und Personenverkehr. 44 Staaten unterzeichnen ein Abkommen – die beiden grössten Volkswirtschaften des Kontinents sind aber vorerst nicht dabei.

Ausgerechnet Afrika. Der Kontinent, der berüchtigt für Bürokratie und Korruption ist, soll zur grössten Freihandelszone der Welt werden. „Afrika strebt die grösste Freihandelszone der Welt an – ohne Nigeria und Südafrika?“ weiterlesen

Piraten: Die Gefahr im Golf von Guinea

Afrikas Westküste ist unterdessen gefährlicher als die Gewässer im Osten des Kontinents.

Lange Zeit brachte man das Thema Piraten mit Somalia in Verbindung. Doch in den letzten Jahren geriet neben dem Horn von Afrika immer mehr auch der Golf von Guinea im Westen des Landes in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: in der ersten Jahreshälfte 2013 kam es im Westen zu 30 Angriffen auf Schiffe (Tendenz leicht steigend), vor Somalia grad mal auf sieben (stark zurückgehend).

Küstenwache in Kamerun, Boot von den USA. © US Navy

Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen den Piraten von Somalia und jenen von (zumeist) Nigeria. Im Westen wollen die Piraten die Ladung der Schiffe, in Somalia ist die Taktik noch immer die Entführung der Seeleute und Lösegeld-Erpressung. Das bedeutet, dass die Piraten im Golf von Guinea ohne Rücksicht auf Verluste ziemlich brutal vorgehen können, was offenbar auch passiert (PDF). „Piraten: Die Gefahr im Golf von Guinea“ weiterlesen

Die gute Nachricht aus Nigeria

Nach 46 Tagen ist das Feuer bei einer Bohrplattform erloschen.

Man stelle sich vor: in der Nordsee, nur 10 Kilometer von der Küste entfernt, würden meterhohe Flammen aus dem Meer stechen. Die Gasbohrplattform «KS Endeavour» ist in Brand geraten. Das Feuer ist noch nach sechs Wochen nicht unter Kontrolle, man sieht es vom Ufer. Gefundenes Fressen für die Medien, sollte man meinen.

Nicht so in Nigeria, wo erstens kaum ausländische Journalisten vor Ort sind, und man sich zweitens Hiobsbotschaften gewöhnt ist. Sei es nun Kriminalität in Lagos, Terrorsekte Boko Haram oder Ölverschmutzung im Nigerdelta.

So stammen die wenigen Informationen über das Ereignis (bei der Explosion kamen zwei Menschen ums Leben) meist aus der Feder von Chevron. Der Konzern teilte unter anderem mit, dass die Umwelt vom Brand nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Flammen seien fünf Meter hoch. Gegenüber einem BBC-Korrespondent hiess es, der Brand entwickle keinen dunklen Rauch. Das erlebte dieser anders:

Auf einem Boot, 50 Meter vom Feuer entfernt, sahen wir schwarze Blasen aufsteigen, schwarzer Rauch erfüllte die Luft.

Die Umweltorganisation «Environmental Rights Action» besuchte die Fischerdörfer nahe der Plattform – die Bilder und Aussagen der Bewohner lassen vermuten, dass der Brand sehr wohl die Umwelt beeinträchtigt. Natürlich kann auch angezweifelt werden, ob die Atemprobleme der Anwohner und der Rückgang der Fänge mit dem Brand zusammenhängen bzw. real sind.

Erstaunlich ist, dass Chevron (obwohl ja nichts passiert ist) in den Dörfern Essensrationen verteilen liess. Möglicherweise ist das auf politischen Druck passiert.

Der Stopp des Brandes kommt überraschend, offenbar hat sich das Gestein unter Wasser bewegt, und so das Gasleck von selbst geschlossen. Noch vor wenigen Tagen prophezeite Chevron, der Brand werde wohl Monate dauern. Auch das ohne grosses Medienecho.

Chevron will den Gas-Ausstos bei der Plattform nun noch einige Monate beobachten und dann den Ort verlassen.

(Bilder: eraction.com)

Explosive Mischung in Nigeria

Die Proteste kommen für die Regierung zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

nigeria (bild: reuters)

Nigeria steht seit gestern still. Läden, Büros und Schulen sind geschlossen, seit am Montag der Generalstreik begonnen hat, zu dem die Gewerkschaften aufrufen. Bei Zusammenstössen mit der Polizei wurden mindestens zwei Demonstranten getötet.

Grund für den Streik ist die Benzinpreiserhöhung. Die Regierung will den Treibstoff nicht mehr subventionieren – in der Folge haben sich die Preise mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr hat Nigeria fast 8 Milliarden (!) Franken ausgegeben, um den Benzinpreis tief zu halten – das ist ein Viertel des Staatsbudgets. „Explosive Mischung in Nigeria“ weiterlesen

Schweizer sind die Besten

In Benin bevorzugt man alte Autos aus der Schweiz.

Auf dem Parkplatz AutoDeal in Cotonou stehen Autos, soweit das Auge reicht. 4000 sind es hier. Auf den hölzernen Plattformen sitzen die Händler im Schatten und kriegen etwas frische Luft.

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Benin: Paradies für Piraten?

Piraten vor der Küste Afrikas verortet man normalerweise im Osten, um Somalia. Doch an der Westküste des Kontinents mehren sich Angriffe auf Schiffe. Besonders in Benin – das Land droht zur Piratenhochburg zu werden.

Der Hafen von Cotonou dient vielen Zwecken: Frauen zerteilen und verkaufen frische Fische, auf hoher See von den Fischern in ihren urtümlichen Holzbooten gefangen, die gleich daneben angelegt haben. Moderne Kräne heben Container von Frachtschiffen. Auch die Marine hat ihre Basis hier.

Der Hafen ist Benins Lebensader – mehr als die Hälfte des Staatseinkommens stammt direkt oder indirekt aus Aktivitäten am Hafen. Aus seinem Büro blickt Clément Godonou direkt auf die Containerberge, er leitet den beninischen Zweig der italienischen Reederei Grimaldi. Und Godonou lobt den heimischen Hafen: «Captain, Sie kommen ins Paradies!», sage er den Schiffsführern seiner Reederei jeweils, wenn diese sich nach dem Zustand des Hafens erkundigten.

Doch das Paradies ist in Gefahr – Piraten haben sich breitgemacht. Vor Benins Küste kam es in diesem Jahr bereits zu rund 20 Angriffen. Die Zahl der nicht gemeldeten Piratenzwischenfälle wird auf nochmals so hoch geschätzt. Unterdessen wurden die Gewässer vor Benin als Hochrisikozone deklariert – das lässt die Versicherungsprämien in die Höhe schiessen.

Die Piraten greifen hauptsächlich Öltanker an. Kann sich die Mannschaft nicht rechtzeitig im Maschinenraum verschanzen, wird sie gezwungen, den Tanker in unbekannte Gewässer zu fahren. Dort wird das Öl auf ein Schiff der Piraten gepumpt, die Wertsachen der Crew werden geklaut und der Tanker wird wieder freigelassen. Das gestohlene Erdöl wird oft illegal weiterverarbeitet. Das hat Folgen für die Umwelt und die Sicherheit der Region. «Wo es Erdöl hat, gibt es immer Krach», sagt Clément Godonou schulterzuckend. Seine Reederei verfügt über keine Tankschiffe, doch die Piratenangriffe zwingen auch Grimaldi, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen.

Benins Marine besitzt vier Boote, sie liegen im Hafen vertäut. Zwei ältere, Geschenke von China, sind derzeit nicht seetauglich. Die beiden neuen haben die USA kürzlich gestiftet; die Defender-Boote haben eine Länge von etwa acht Metern. Wir unternehmen eine kleine Rundfahrt. Kaum hat das Boot den Hafen verlassen, wird es von den Wellen hin- und hergeworfen. Die Besatzung besteht aus vier Mann – so macht Benin Jagd auf Piraten.


Die Flotte von Benins Marine. Im Vordergrund: defektes chinesisches Boot, dahinter die beiden funktionierenden Boote aus den USA.

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