Archiv der Kategorie: NZZ

Die friedlichen Leute vom gesegneten Leuchtturm

Ghana funktioniert als Demokratie und hat eine blühende Wirtschaft. Die Gründe dafür liegen in der Geschichte des westafrikanischen Staates. Doch auch in Ghana ist nicht alles Gold, was glänzt.

Baustelle in Accra

«Das Geheimnis unserer Demokratie ist simpel. Es liegt in den Menschen Ghanas – sie lieben die Freiheit.» John Kufuor sitzt milde lächelnd auf einem reich dekorierten Holzstuhl in seiner Villa, und erklärt dem Besucher, wieso Ghana sich zum gerne zitierten «Leuchtturm der Demokratie» entwickelt hat. Der 74jährige Kufuor muss es wissen, schliesslich wurde er im Jahr 2000 als erster Oppositionspolitiker an Ghanas Staatsspitze gewählt. Acht Jahre später überliess Präsident Kufuor seinen Platz wieder der Gegenpartei. Und doch greift seine Erklärung ein wenig zu kurz. Weiterlesen

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Ghanas Präsident Mahama im Amt bestätigt

Ghanas Wahlkommission hat den Amtsinhaber Mahama zum Sieger der Präsidentenwahl vom Freitag erklärt. Die Partei des Wahlverlierers sprach von Fälschungen und behauptete, diese auch beweisen zu können.

Feier im NDC-HauptquartierDie ghanesische Wahlkommission hat am Sonntagabend das Resultat der Präsidentenwahl verkündet. Demnach entfielen auf Präsident John Dramani Mahama vom National Democratic Congress (NDC) 50,7 Prozent der Stimmen. Sein Herausforderer Nana Akufo-Addo von der New Patriotic Party (NPP) erreichte 47,7 Prozent. Noch am Montag tanzten Anhänger Mahamas auf den Strassen vieler Städte und feierten den Sieg ihres Idols. Doch die meisten Ghanesen gingen bereits wieder ihrer gewohnten Arbeit nach. Sie verfolgten höchstens am Fernsehen, wie Präsident Mahama der Wählerschaft für seinen Wahlsieg dankte und seiner Zuversicht Ausdruck verlieh, dass die Demokratie in Ghana weiterhin blühen werde.

Fälschungsvorwurf der NPP

Mahama profitierte vom Bonus des Präsidenten. Viele Wählerinnen und Wähler wollten nach vier Jahren NDC-Regierung nicht schon wieder einen Machtwechsel. Mahama gilt als bescheiden und bedächtig. Der Gegenkandidat Akufo-Addo hingegen agiert angriffiger, zudem wirkt er oft elitär. Gelegentlich wird ihm Arroganz vorgeworfen. Eine gewisse Arroganz vonseiten der Oppositionspartei manifestierte sich auch am Wahlwochenende. Bereits am Samstag – die Wahl war noch nicht überall beendet – hatte ein Sprecher der NPP den Sieg seiner Partei verkündet. Am Sonntag kritisierte die Partei die Wahlen als gefälscht. Sie boykottierte dann auch die offizielle Verkündigung des Ergebnisses. Am Montag versprach sie, schon bald Beweise für Wahlbetrug in über 20 von 275 Wahlkreisen vorzulegen.

«Fair und frei»

Ob diese «Beweise» stichhaltig sind und etwas am Endresultat ändern werden, blieb am Montag offen. Ausländische und ghanesische Beobachter beurteilten die Wahl als fair und frei. Benins Staatspräsident Boni Yayi, zurzeit Vorsitzender der Afrikanischen Union, gratulierte dem Land zu friedlichen und transparenten Wahlen. Er rief die Opposition dazu auf, das Resultat zu akzeptieren.

Ghana ist politisch weiterhin in zwei fast gleich grosse Lager gespalten. Entweder ist man Anhänger des NDC, oder man gehört dem Lager der NPP an. Doch während derartige Verhältnisse in anderen afrikanischen Ländern zu Pattsituationen oder Ausschreitungen führen, hat Ghanas Wählerschaft den Wahlausgang grösstenteils bereits akzeptiert. Wenn sich der vom politischen Gefecht aufgewirbelte Staub verzogen hat, dürfte auch die Opposition einlenken und ihre Niederlage akzeptieren. So zumindest liefen frühere Wahlen ab. Kleinere Zwischenfälle können nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der sechste Urnengang in zwanzig Jahren von Transparenz geprägt war und friedlich über die Bühne ging.

Dieser Artikel erschien am 10. Dezember 2012 in der Neuen Zürcher Zeitung.
Zur Bezeichnung «Ghanesen»: Ich persönlich finde sie altbacken, die NZZ benutzt sie konsequent entsprechend der Rechtschreiberegel in ihrem «Vademecum».

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Wahlen in Ghana: Mahama wie Obama?

Präsidenten- und Parlamentswahlen in Ghana am 7. Dezember – eine weitere Vorschau.


Das Boot ist voll – NDC-Anhänger versuchen ein Parteiboot zu entern.

Albert Nyemeck ist sich sicher, dass Ghana das beste Land südlich der Sahara ist. «Wenn ich ein Land empfehlen müsste – es wäre Ghana», sagt der Kameruner Nyemeck, der viele Länder gesehen hatte, bevor er sich in Ghana mit seiner ivoirischen Frau niederliess. Sie betreiben die Bar «Chez Cynthia», ihre Gäste stammen aus dem frankofonen Afrika – und alle loben das stabile, demokratische Ghana.

Für seine Partei, den National Democratic Congress (NDC), und für sich selber hat der 54-jährige Präsident John Dramani Mahama sechs Wochen lang die Werbetrommel gerührt. «Gott sei Dank ist dies nun die letzte Wahlveranstaltung», gesteht er der Menge in Accra am Mittwoch. Im Juli hatte er, damals noch Vizepräsident, die Nachfolge des verstorbenen Präsidenten John Atta Mills angetreten. «Mahama wie Obama», ruft einer seiner Minister den euphorisierten Besuchern der Wahlveranstaltung zu – der Präsident soll wiedergewählt werden.

Ghanas Wirtschaft ist unter der Regierung des NDC gewachsen. Vor zwei Jahren begann Ghana, neben Kakao und Gold auch Erdöl zu exportieren. Korruption und Misswirtschaft sind im Vergleich zu andern afrikanischen Ländern bescheiden. Präsident Mahama könnte an seiner Wiederwahl allenfalls vom 68-jährigen Nana Akufo-Addo von der New Patriotic Party (NPP) gehindert werden. Die NPP ist die Partei der wirtschaftlichen Elite, sie steht für die freie Marktwirtschaft ein. In ihrer Zeit als Regierungspartei (2001–2009) hatte die NPP das Land effizient geführt, jedoch auch den Interessen ihrer mächtigen Mitglieder gedient, etwa mit der Senkung von Importsteuern. Der NDC hingegen gibt sich sozialdemokratisch. Doch die Parteiprogramme von NDC und NPP gleichen sich, beide Parteien wollen etwa die Landwirtschaft modernisieren und die Schulbildung stärken.

Der Ausgang der Wahl vom 7. Dezember ist offen, Mahama und Akufo-Addo liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Vor vier Jahren kam es zu einer Stichwahl. 0,2 Prozent der Stimmen gaben den Ausschlag. Ghana zeigte, dass es mit einem knappen Resultat umgehen kann. Auch diesmal verzichteten die Kandidaten auf Stimmungsmache. Ghana will seinem Ruf als Hort der Stabilität gerecht werden. Damit hebt es sich von anderen Ländern der Region ab. Es ist ein bevorzugtes Ziel für Investoren. Und für Einwanderer, die in der Bar «Chez Cynthia» unbehelligt ihr Feierabendbier trinken können.

Dieser Beitrag erschien am 7. Dezember 2012 in der «Neuen Zürcher Zeitung».

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