Reise ins Ungewisse

Menschen fliehen vor der Gewalt in der Elfenbeinküste.

Die politische Pattsituation und die Kämpfe in der Elfenbeinküste beeinträchtigen das Leben der Menschen. Hunderttausende sind auf der Flucht – im Land und in den Nachbarländern – meldet die UNO.

In der ghanaischen Grenzstadt Elubo habe ich mit Leuten gesprochen, deren Leben auf den Kopf gestellt wird. Ivorer, die nicht wissen, wann sie wieder heim können. Und Immigranten aus westafrikanischen Ländern, welche die Elfenbeinküste verlassen.

Der Beitrag lief am 14. März 2011 auf DRS 4 News, Schweizer Radio und Fernsehen SRF.

Ich war drei Tage zuvor aufs Geratwohl an die Grenze gereist, nachdem eine lokale Radiostation 300 Flüchtlinge pro Tag gemeldet hatte. Diese Zahl konnte ich nicht nachvollziehen – ich zählte an einem Tag 15 Reisecars – also 1200 Menschen. Nicht alle flüchten – sie haben so unterschiedliche Geschichten, dass es praktisch unmöglich ist, genaue Angaben zu machen. Wer ist Flüchtling? Wer will Asyl? Wer reist nach Hause? Wer geht zu Verwandten? Wer reist bald wieder zurück? Doch genau diese persönlichen Geschichten der Menschen fand ich interessant und eindrücklich.

Hymnisches Erwachen

Jeden Morgen um halb acht wird neben unserem Schlafzimmerfenster die Nationalhymne Ghanas gesungen. Im Hof der Noree-Tagesschule stellen sich dazu vor Unterrichtsbeginn die Schülerinnen und Schüler auf. Alle tragen die Schuluniform, karierte Hemden und violette Hosen oder Jupes.

Die Mauern des Schulhofes sind ebenfalls violett und bemalt mit Tieren, Pflanzen, Buchstaben und Zahlen. An einer Wand stehen die Regeln der Schule geschrieben. Erste Regel: Kinder sollen ihren Lehrern gehorchen. Nach dem Singen und Beten gehen die Kinder in ihre Klassen, und wir sind wach.