Wohnen auf wackligem Grund

Die Behörden sehen Old Fadama als Schandfleck und Sicherheitsrisiko. Sie wollen den Slum in Accra räumen lassen. Die Bewohnerinnen und Bewohner blicken in eine unsichere Zukunft.

Zwei Schafe stossen den Deckel eines Kochtopfs zur Seite und naschen von den aufgesetzten Bohnen. Die Köchin kommt angerannt und vertreibt das Vieh. Sie kocht auf Holzkohle, am Rand einer Lehmstrasse im Slum Old Fadama, in Ghanas Hauptstadt Accra.

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Heilige Jungfrau verspricht bessere Zukunft

Die Hälfte aller Ivorer hofft auf eine Rückkehr Gbagbos.

Bei meinem Aufenthalt in Yopougon, einem Stadtteil Abidjans, wurde ich immer wieder darauf hingewiesen, dass der ehemalige Präsident Laurent Gbagbo bald wieder an die Macht zurückkehren werde. Natürlich wünschte sich niemand hier einen weiteren bewaffneten Konflikt. Doch die Hinweise darauf waren eindeutig.

Nicht nur hatte ein lokaler Prophet die Wiederkehr Gbagbos angekündigt, es gab auch weitere Zeichen. So war offenbar im April die Jungfrau Maria in der Sonne erschienen, was viele Leute bestätigten. Leider war niemand im Besitz des Handyvideos. Immerhin zeigte man mir ein Bild von Wolken, die wie Gottes Hände aussehen. Erstaunlich. Leider ist das eine ältere Fälschung.

Noël, mein Begleiter, wollte mich mehrfach überzeugen, dass ich doch über diese Indizien berichten solle. Wenn dann Gbagbo zurück an die Macht kommen würde, sei ich berühmt. Ich verzichtete aber darauf. Mein Beitrag über die Lage in Yopougon und Abidjan musste ohne heilige Zeichen auskommen.

Das Video mit der Marienerscheinung ist übrigens bisher noch ohne schlüssige Erklärung. Kommt Gbagbo also doch zurück?

Dieser Beitrag wurdem am 21. Juli 2011 im Deutschlandfunk gesendet. Er ist quasi die Langversion des Beitrages fürs Schweizer Radio. Die Leute durften etwas ausführlicher zu Wort kommen, auch ein ehemaliger Rebell und ein UNO-Sprecher sind nun mit an Bord.

Angst in Abidjan

zerschossene fensterscheiben in abidjans geschäftsviertelin abidjan ist auch nach dem konflikt alles andere als alltag.

Der abgewählte Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, wurde vor drei Monaten festgenommen, weil er sich weigerte, zurückzutreten. Seit Mai ist der neue Präsident Alassane Ouattara an der Macht – und es ist wieder ruhig geworden um das Land in Westafrika.

Doch viele Probleme sind ungelöst. Gelingt es Präsident Ouattara, die Elfenbeinküste in eine friedliche Zukunft zu führen?

der beitrag war geplant für heute morgen auf drs 1, lief dann aber aufgrund unwetters auf drs4news am 11.7.2011. derzeit bin ich noch an einer langversion für den deutschlandfunk.

über eine stunde lang hatte ich versucht, diesen beitrag im internetcafe im quartier yopougon hochzuladen. schliesslich gab ich auf, und fuhr ins hotel pullman. dort kostet die halbe stunde internet 4 franken. sie ist es immerhin wert.
grösstes übel aber ist, dass seit der reise die grossschreibetaste meines computers nicht mehr funktioniert. enter auch nicht.

Rausgepumpt

Weiss Ghana überhaupt, wie viel Öl vor der Küste gefördert wird?

Seit Dezember 2010 ist Ghana ein «Oil-Country». Ende 2010 wurde damit begonnen, über eine schwimmende Plattform Öl aus dem Meeresboden vor Ghanas Küste zu pumpen. „Rausgepumpt“ weiterlesen

Reise ins Ungewisse (Extended Version)

Die Kämpfe in der Elfenbeinküste vertreiben die Menschen.

Hunderttausende seien auf der Flucht – im Land und in den Nachbarländern – meldet die UNO. Auch für den Deutschlandfunk habe ich eine Variante meiner Reportage aus der ghanaischen Grenzstadt Elubo gemacht.

 

Deutschlandfunk, 19.3.2011.

Der Beitrag ist zwei Minuten länger als jener für DRS 4 News. Die Zahlen sind aktualisiert und die Menschen kommen länger zu Wort. Zudem sind die O-Töne diesmal übersprochen (Overvoice) und ich versuche mich in etwas deutscherem Deutsch. Alles in allem eine Heidenbüetz – und wegen den Ereignissen in Japan und Libyen wurde er x Mal verschoben.

Reise ins Ungewisse

Menschen fliehen vor der Gewalt in der Elfenbeinküste.

Die politische Pattsituation und die Kämpfe in der Elfenbeinküste beeinträchtigen das Leben der Menschen. Hunderttausende sind auf der Flucht – im Land und in den Nachbarländern – meldet die UNO.

In der ghanaischen Grenzstadt Elubo habe ich mit Leuten gesprochen, deren Leben auf den Kopf gestellt wird. Ivorer, die nicht wissen, wann sie wieder heim können. Und Immigranten aus westafrikanischen Ländern, welche die Elfenbeinküste verlassen.

 

Der Beitrag lief am 14. März 2011 auf DRS 4 News, Schweizer Radio und Fernsehen SRF.

Ich war drei Tage zuvor aufs Geratwohl an die Grenze gereist, nachdem eine lokale Radiostation 300 Flüchtlinge pro Tag gemeldet hatte. Diese Zahl konnte ich nicht nachvollziehen – ich zählte an einem Tag 15 Reisecars – also 1200 Menschen. Nicht alle flüchten – sie haben so unterschiedliche Geschichten, dass es praktisch unmöglich ist, genaue Angaben zu machen. Wer ist Flüchtling? Wer will Asyl? Wer reist nach Hause? Wer geht zu Verwandten? Wer reist bald wieder zurück? Doch genau diese persönlichen Geschichten der Menschen fand ich interessant und eindrücklich.

Zur Lage der Nation

Der Präsident spricht, ich muss draussen bleiben.

«Action!», jubeln die vier Damen in den traditionellen Kleidern und recken ihre Fäuste in die Luft. Immer wieder: «Action!» Fünfhundert Ghanaerinnen und Ghanaer sitzen und stehen in der Mittagshitze unter einem offenen Zelt. Die Rufe gelten dem Präsidenten John Atta-Mills, der gleich nebenan vor dem Parlament seine dritte Rede zur Lage der Nation hält. 2011 werde ein «year of action», so der «Professor», wie ihn seine Anhänger liebevoll nennen. In seiner Rede verspricht Atta-Mills, das Geld aus den Ölprojekten sorgfältig zu verwenden, gegen Drogenschmuggel vorzugehen und nicht mit Militär in die Elfenbeinküste einzumarschieren. „Zur Lage der Nation“ weiterlesen