Wieder Tote im Senegal

Die Proteste gegen den Präsidenten und ihre Ursache.

Am Wochenende wurden bei Protesten im Senegal drei Menschen getötet. In den letzten Tagen kam es im westafrikanischen Land wieder vermehrt zu Zusammenstössen zwischen jugendlichen Demonstranten und der Polizei. Steine, Gummischrot und Tränengas lagen in der Luft.

Am nächsten Sonntag finden im Senegal Präsidentschaftswahlen statt, Auslöser der Proteste ist die erneute Kandidatur des Präsidenten. Der Sprecher des Präsidenten hat heute einen Oppositionskandidaten für die Proteste verantwortlich gemacht. Die Jungen in der Strasse seien bezahlt. Das könnte teilweise stimmen, doch genausogut ist möglich, dass der Präsident ebenfalls Claqueure bezahlt.

Eine der wichtigsten Ursachen für den Frust vieler junger Senegalesen ist aber ganz sicher die Arbeitslosigkeit.

Dieser Beitrag wurde am 20. Februar 2012 auf DRS4News gesendet. „Wieder Tote im Senegal“ weiterlesen

Sam im Senegal

Chronik einer Reportagereise.

Sollte sich die geneigte Leserin je gefragt haben, was ein Journalist den lieben langen Tag so tut, ist hier die Antwort. Um für die Wahl im Senegal vom 26. Februar gerüstet zu sein, habe ich vom 2. bis 10. Februar das Land besucht.

In den neun Tagen habe ich etwa 80 Franken vertelefoniert, dazu 70 Mails versendet und 10 Stunden Aufnahmen gemacht. Daraus ist bereits ein Radiobeitrag und ein Interview entstanden, drei weitere Beiträge sind in Arbeit und werden in der Woche vor der Wahl im Schweizer Radio ausgestrahlt.

Eines der wichtigsten Werkzeuge war die Kurznachrichten-Plattform Twitter. Dadurch bin ich nicht nur an einen Kontakt gekommen, sondern habe auch immer wieder Hinweise auf aktuelle Ereignisse und interessante Artikel erhalten. Sogar unterwegs könnte man nachlesen, wo ein Protestzug gerade ist, oder ob etwas passiert. Leider kann mein Telefon kein Internet – das sollte ich bei einem nächsten Einsatz ändern.

Donnerstag:
3:00
Uhr komme ich in Dakar an. „Sam im Senegal“ weiterlesen

M23, die Opposition demonstriert

Senegal geht gegen den Präsidenten auf die Strasse.

Das ist mein Lieblingsbild von einer Demonstration der Oppositionsbewegung M23. Die Frauen einer Tanzgruppe waren bevorzugtes Sujet aller Pressefotografen. In die News schaffen werden sie es trotzdem nicht, obwohl sie «typisch afrikanisch» sind. Denn erstens werfen sie keine Steine, zweitens verbrennen sie keine Autoreifen, und drittens wurden bei den Demos in den letzten Tagen weder Verletzte noch Tote gezählt.

Wenn ich von einem Demonstrationstermin zurück in meine Herberge komme, werde ich jeweils gefragt: «Und, wie wars?» – Friedlich, antworte ich. «Ah, gut!» – Jawohl, sage ich. Und weiss auch, dass es gute Ereignisse nicht wirklich in die Schlagzeilen schaffen. So lief mein Radiobeitrag zur Demonstration im Inforadio – hätte es hingegen «geknallt», wäre es wohl ein Beitrag in den Morgennews auf allen Kanälen geworden.

Ein weiterer Grund übrigens, wieso die Frau nicht wichtig ist: Youssou Ndour war da. Der Weltmusik-Star fügt sich ruhig und ohne Star-Allüren in das Oppositionsbündnis ein. Doch er ist der einzige, von dem wir westlichen Journalisten schon mal gehört haben. Also wird er fotografiert, interviewt (wieso geht sein Assistent nicht ans Telefon?) und vor allem zu einer entscheidenden Figur emporgeschrieben. Das ist er nicht. Ich habe hier noch niemanden getroffen, der Ndour gewählt hätte.

Ich habe übrigens auch erst einen Mann getroffen, der den bisherigen Präsidenten Wade wiederwählen wird. Der Taxifahrer hat sich über die restlichen Kandidaten lustig gemacht, und wir haben uns prächtig amüsiert.

Und noch etwas: Wenn man sieht, mit welchen Offroader-Karawanen einige Kandidaten einfahren, verliert man rasch den Glauben, dass im Senegal ein politischer Wandel möglich ist. Ein Wandel von der Geldkoffer-Politik des Präsidenten hin zu einer schlankeren aber effizienten Regierung.

Weitere Bilder der Demo:

Bilder vom 5. Februar 2012.

Senegal gegen die «Wadynastie»

Die Opposition vereint sich gegen den Präsidenten – obs was nützt?

Im Senegal ist gestern Sonntag offiziell der Wahlkampf gestartet, in drei Wochen finden Präsidentschaftswahlen statt.

Doch es ist kein normaler Wahlkampf. Vorderhand treten nämlich die Kandidaten der Opposition gemeinsam auf. Ihr Ziel: Der Präsident Abdoulaye Wade soll nicht noch einmal antreten dürfen.

Der Bericht von der Kundgebung im Zentrum Dakars:

Dieser Beitrag wurde von DRS 4 News am 6. Februar 2012 gesendet.

Aufschrei von Senegals Jungen

Fadel Barro, Y'en a marre, in Dakar am 3.2.2012

In Dakar wird weiterhin gegen Präsident Abdoulaye Wade demonstriert.

Fadel Barro (34) ist Sprecher der Bewegung «Y’en a marre!» (Jetzt reichts!). Er hat die Bewegung vor einem Jahr zusammen mit Freunden aus der Rap-Szene gegründet – als Reaktion auf die häufigen Stromausfälle in der Hauptstadt Dakar. Barro ist Journalist, seit zwei Monaten jedoch nur noch für die Gruppierung tätig.

«Y’en a marre» ergreift keine Partei für einen Präsidentschaftskandidaten. Doch sie will die Wiederwahl von Senegals Präsidenten Abdoulaye Wade verhindern. Vor zehn Tagen hat der Verfassungsrat im Senegal die Kandidatur Wades für eine dritte Amtszeit zugelassen, obwohl die Verfassung nur zwei Amtszeiten vorsieht.

Gemeinsam mit der M23-Bewegung, die vorwiegend aus Oppositionsparteien besteht, ruft «Y’en a marre» zu Demonstrationen auf.

Fadel Barro, Y'en a marre, in Dakar am 3.2.2012

Samuel Burri: Wird im Senegal nun demonstriert bis zu den Wahlen am 26. Februar?

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