M23, die Opposition demonstriert

Senegal geht gegen den Präsidenten auf die Strasse.

Das ist mein Lieblingsbild von einer Demonstration der Oppositionsbewegung M23. Die Frauen einer Tanzgruppe waren bevorzugtes Sujet aller Pressefotografen. In die News schaffen werden sie es trotzdem nicht, obwohl sie «typisch afrikanisch» sind. Denn erstens werfen sie keine Steine, zweitens verbrennen sie keine Autoreifen, und drittens wurden bei den Demos in den letzten Tagen weder Verletzte noch Tote gezählt.

Wenn ich von einem Demonstrationstermin zurück in meine Herberge komme, werde ich jeweils gefragt: «Und, wie wars?» – Friedlich, antworte ich. «Ah, gut!» – Jawohl, sage ich. Und weiss auch, dass es gute Ereignisse nicht wirklich in die Schlagzeilen schaffen. So lief mein Radiobeitrag zur Demonstration im Inforadio – hätte es hingegen «geknallt», wäre es wohl ein Beitrag in den Morgennews auf allen Kanälen geworden.

Ein weiterer Grund übrigens, wieso die Frau nicht wichtig ist: Youssou Ndour war da. Der Weltmusik-Star fügt sich ruhig und ohne Star-Allüren in das Oppositionsbündnis ein. Doch er ist der einzige, von dem wir westlichen Journalisten schon mal gehört haben. Also wird er fotografiert, interviewt (wieso geht sein Assistent nicht ans Telefon?) und vor allem zu einer entscheidenden Figur emporgeschrieben. Das ist er nicht. Ich habe hier noch niemanden getroffen, der Ndour gewählt hätte.

Ich habe übrigens auch erst einen Mann getroffen, der den bisherigen Präsidenten Wade wiederwählen wird. Der Taxifahrer hat sich über die restlichen Kandidaten lustig gemacht, und wir haben uns prächtig amüsiert.

Und noch etwas: Wenn man sieht, mit welchen Offroader-Karawanen einige Kandidaten einfahren, verliert man rasch den Glauben, dass im Senegal ein politischer Wandel möglich ist. Ein Wandel von der Geldkoffer-Politik des Präsidenten hin zu einer schlankeren aber effizienten Regierung.

Weitere Bilder der Demo:

Bilder vom 5. Februar 2012.

Senegal gegen die «Wadynastie»

Die Opposition vereint sich gegen den Präsidenten – obs was nützt?

Im Senegal ist gestern Sonntag offiziell der Wahlkampf gestartet, in drei Wochen finden Präsidentschaftswahlen statt.

Doch es ist kein normaler Wahlkampf. Vorderhand treten nämlich die Kandidaten der Opposition gemeinsam auf. Ihr Ziel: Der Präsident Abdoulaye Wade soll nicht noch einmal antreten dürfen.

Der Bericht von der Kundgebung im Zentrum Dakars:

Dieser Beitrag wurde von DRS 4 News am 6. Februar 2012 gesendet.

Aufschrei von Senegals Jungen

In Dakar wird weiterhin gegen Präsident Abdoulaye Wade demonstriert.

Fadel Barro (34) ist Sprecher der Bewegung «Y’en a marre!» (Jetzt reichts!). Er hat die Bewegung vor einem Jahr zusammen mit Freunden aus der Rap-Szene gegründet – als Reaktion auf die häufigen Stromausfälle in der Hauptstadt Dakar. Barro ist Journalist, seit zwei Monaten jedoch nur noch für die Gruppierung tätig.

«Y’en a marre» ergreift keine Partei für einen Präsidentschaftskandidaten. Doch sie will die Wiederwahl von Senegals Präsidenten Abdoulaye Wade verhindern. Vor zehn Tagen hat der Verfassungsrat im Senegal die Kandidatur Wades für eine dritte Amtszeit zugelassen, obwohl die Verfassung nur zwei Amtszeiten vorsieht.

Gemeinsam mit der M23-Bewegung, die vorwiegend aus Oppositionsparteien besteht, ruft «Y’en a marre» zu Demonstrationen auf.

Fadel Barro, Y'en a marre, in Dakar am 3.2.2012

Samuel Burri: Wird im Senegal nun demonstriert bis zu den Wahlen am 26. Februar?

„Aufschrei von Senegals Jungen“ weiterlesen

Youssou Ndour will Senegals Präsident werden

Und hört zumindest temporär mit der Musik auf.

Der senegalesische Sänger Youssou Ndour hat am Montagabend bekanntgegeben, dass er für die Präsidentschaft kandidiert. Bis zu den Wahlen im Februar hat er dafür alle Auftritte als Sänger abgesagt. Besonders viel zu diskutieren gibt im Hinblick auf die Wahlen, dass der bisherige Präsident Abdoulaye Wade (85) trotz seines Alters und der Verfassung eine dritte Amtszeit anstrebt.

ndour campino bono, (c) WDR

Das Porträt des Weltmusikers Ndour (im Bild mit Gutmenschkollegen), der sich in Senegal immer wieder ins öffentliche Leben einmischt:


Dieser Beitrag wurde am 3. Januar 2012 in der Sendung «Heute Morgen» von Schweizer Radio DRS gesendet.

Am selben Tag abends lief dann mein zweiter Beitrag zum Thema in der Sendung «Echo der Zeit». Welcher ist besser?


Afrikas Freiheitsstatue

Präsident Wades Wiederwahl im Senegal ist nicht sicher – doch sein Denkmal steht.

Rund 30 Millionen Franken kostete das «Monument de la Renaissance africaine» den Staat. Es steht auf einem vulkanischen Hügel in einer Ecke Dakars, die noch nicht überbaut ist. Und es ist höher als New Yorks Freiheitsstatue (ohne Sockel).

Abdoulaye Wade, der früher langjährige Oppositionskandidat, ist seit 2000 Präsident Senegals. Trotz der Beschränkung auf zwei Amtszeiten will er auch bei den Wahlen im nächsten Februar als 85jähriger wieder antreten. „Afrikas Freiheitsstatue“ weiterlesen