Piraten: Die Gefahr im Golf von Guinea

Afrikas Westküste ist unterdessen gefährlicher als die Gewässer im Osten des Kontinents.

Lange Zeit brachte man das Thema Piraten mit Somalia in Verbindung. Doch in den letzten Jahren geriet neben dem Horn von Afrika immer mehr auch der Golf von Guinea im Westen des Landes in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: in der ersten Jahreshälfte 2013 kam es im Westen zu 30 Angriffen auf Schiffe (Tendenz leicht steigend), vor Somalia grad mal auf sieben (stark zurückgehend).

Küstenwache in Kamerun, Boot von den USA. © US Navy

Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen den Piraten von Somalia und jenen von (zumeist) Nigeria. Im Westen wollen die Piraten die Ladung der Schiffe, in Somalia ist die Taktik noch immer die Entführung der Seeleute und Lösegeld-Erpressung. Das bedeutet, dass die Piraten im Golf von Guinea ohne Rücksicht auf Verluste ziemlich brutal vorgehen können, was offenbar auch passiert (PDF). „Piraten: Die Gefahr im Golf von Guinea“ weiterlesen

Rumäniens gespaltenes Verhältnis zum Gold

Das Bergdorf Rosia Montana ist Europas Eldorado.

In den grünen Hügeln rund um das Dorf befinden sich über 300 Tonnen Gold. Ein kanadisches Unternehmen will das Gold fördern, vier offene Minen sollen entstehen, viele Dorfbewohner müssten umsiedeln.

Doch in Rumänien regt sich Widerstand, das Projekt spaltet das Land – nicht nur das Dorf Rosia Montana. Und unterdessen fragt sich auch die Politik: Zu welchem Preis verkaufen wir unser Gold?

Diese Kontext-Sendung wurde am 23.4.2013 von Radio SRF 2 Kultur gesendet.

Wie wird die Politik entscheiden? Interessanterweise kam ich in meinen Recherchen genau zum gegenteiligen Fazit der WOZ (Artikel offline). Die schreibt: «Die Wirtschaftskrise und der steigende Goldpreis haben auch die linke rumänische Regierung überzeugt: Sie befürwortet neuerdings das grösste Goldabbauprojekt.» Davon kann meiner Ansicht nach keine Rede sein.

Rosia Montana und das Gold

In Rumänien will eine kanadische Rohstoffirma die grösste Tagbaumine Europas eröffnen – doch einige Anwohner wehren sich.

Ein verwaister Gold-Stollen bei Rosia Montana.

Der Goldpreis sank in den letzten Tagen zeitweise um über zehn Prozent. Trotzdem lohnt sich der Abbau schon ab einem Gramm Gold pro Tonne Gestein. Zum Beispiel in Rumänien, im Bergdorf Rosia Montana.

Doch im Land regt sich Widerstand, die Frage stellt sich: zu welchem Preis man seine Bodenschätze weggeben soll. Dazu die Reportage für das Wirtschaftsmagazin Trend von Radio SRF 1.

Ebenfalls in der Sendung: das Gespräch mit einem Analysten darüber, ob und wo der Gold-Abbau noch Potenzial hat.
Trend vom 20. April 2013.

Die friedlichen Leute vom gesegneten Leuchtturm

Ghana funktioniert als Demokratie und hat eine blühende Wirtschaft. Die Gründe dafür liegen in der Geschichte des westafrikanischen Staates. Doch auch in Ghana ist nicht alles Gold, was glänzt.

Baustelle in Accra

«Das Geheimnis unserer Demokratie ist simpel. Es liegt in den Menschen Ghanas – sie lieben die Freiheit.» John Kufuor sitzt milde lächelnd auf einem reich dekorierten Holzstuhl in seiner Villa, und erklärt dem Besucher, wieso Ghana sich zum gerne zitierten «Leuchtturm der Demokratie» entwickelt hat. Der 74jährige Kufuor muss es wissen, schliesslich wurde er im Jahr 2000 als erster Oppositionspolitiker an Ghanas Staatsspitze gewählt. Acht Jahre später überliess Präsident Kufuor seinen Platz wieder der Gegenpartei. Und doch greift seine Erklärung ein wenig zu kurz. „Die friedlichen Leute vom gesegneten Leuchtturm“ weiterlesen

Ware aus China für Ghanas Wähler

Ghanas Parteien versprechen vor der Wahl, sie wollten das Land vorwärtsbringen. Ihre zahllosen Wahlkampfartikel besorgen sie indes in Asien.

Den Oppositionskandidaten immer im Blick: Frau mit Sonnenbrille der NPP.

Wahltag ist Zahltag. Und Wahlkampf ist Zahlkampf – zumindest in Ghana. Wenn ein Politiker ein Dorf besucht, verspricht er gerne gleich eine neue Strasse. Der spätere Präsident John Atta Mills versprach vor vier Jahren der Stadt Tamale im Norden einen internationalen Flughafen, um die Pilgerreise nach Mekka zu erleichtern. Der Flughafen steht auch dieses Jahr wieder auf dem Wahlprogramm der Regierungspartei National Democratic Congress (NDC). Eine weitere Konstante im ghanaischen Wahlkampf sind die Tausende T-Shirts mit Slogans und Logos. Und die Unmengen von propagandistischer Plastikware. „Ware aus China für Ghanas Wähler“ weiterlesen

Mit Afrika angelegt

Das Magazin «Stocks» stimmt in den Afrika-Lobgesang mit ein, meint aber etwas anderes.

«Afrika steigt auf» titelt das Schweizer Anleger-Magazin «Stocks», jetzt sei der Zeitpunkt für Anleger gekommen. Das Heft schlägt damit in dieselbe Kerbe wie andere Wirtschaftspublikationen seit Monaten. Auf sechs Seiten wird dargelegt, wieso «Aufsteiger Afrika» für Investitionen ein lohnendes Ziel abgibt. Leider hat der Text einige Macken.

  • Afrikas Länder entwickeln sich höchst unterschiedlich. Während Ghana wirtschaftlich (und politisch) aufsteigt, ist Mali grad wieder mal zurück auf Feld 1 gehüpft. Die Schweiz ist ja auch nicht Griechenland.
  • Von den im Magazin zitierten Analysten und Firmenchefs stammt nicht einer aus Afrika. Auch der Journalist war natürlich nicht dort.
  • Die Beispiele sind zufällig bis schlecht gewählt. Die Wachstumszahlen der Mobiltelefonie im vergangenen Jahrzehnt waren beeindruckend. Doch der Plafond ist erreicht. Das Grundwasservorkommen (übrigens nicht neu vermessen) ist tatsächlich gross. Doch was es in diesem konkreten Fall dem Kontinent oder dem Anleger bringen soll, bleibt offen.
  • «Stocks» fokussiert auf das Thema Rohstoffe. Die Ausbeutung afrikanischer Rohstoffvorkommen schreitet seit Jahrzehnten voran. Doch deswegen ist der Kontinent bisher nicht aufgestiegen.
  • Das Magazin bietet weder ein Beispiel eines afrikanischen Start-Ups, eines KMUs oder eines erfolgreichen Unternehmers. Die gibts tatsächlich – jeweils montags bei der BBC.

Die meisten afrikanischen Börsen sind klein und eignen sich kaum für ausländische Investoren. Das schreibt auch «Stocks». Also will das Magazin eigentlich gar nicht in Afrika investieren. Wie Marco Spichiger, UBS-COO für «Griechenland, Israel und Afrika» (!) im Interview sagt, gibt es gar keine reinen Sub-Sahara-Afrika-Fonds. Folglich muss man auch in Zukunft auf hiesige Unternehmen setzen, die in Afrika ihr Geschäft verrichten.

Mit den Anlagetipps von «Stocks» steigt nicht Afrika auf, sondern der Rohstoffhändler in Zug oder am Genfersee.

Ein flotter Zug in Accra

Zwei moderne Züge – und viele Probleme im Rest des Landes.

Der Angestellte am Bahnhof Accra ist sehr hilfsbereit. Zusammen mit einem Kollegen versucht er, die Abfahrtszeiten der Züge zu rekonstruieren. Nach einigen Minuten habe ich einen Fahrplan für die Strecke Accra-Tema zusammen, der in etwa stimmen könnte. Natürlich gibt es den Fahrplan, bloss ist er weder online noch offline ersichtlich. Die Züge fahren jeweils zweimal morgens und abends.

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Die gute Nachricht aus Nigeria

Nach 46 Tagen ist das Feuer bei einer Bohrplattform erloschen.

Man stelle sich vor: in der Nordsee, nur 10 Kilometer von der Küste entfernt, würden meterhohe Flammen aus dem Meer stechen. Die Gasbohrplattform «KS Endeavour» ist in Brand geraten. Das Feuer ist noch nach sechs Wochen nicht unter Kontrolle, man sieht es vom Ufer. Gefundenes Fressen für die Medien, sollte man meinen.

Nicht so in Nigeria, wo erstens kaum ausländische Journalisten vor Ort sind, und man sich zweitens Hiobsbotschaften gewöhnt ist. Sei es nun Kriminalität in Lagos, Terrorsekte Boko Haram oder Ölverschmutzung im Nigerdelta.

So stammen die wenigen Informationen über das Ereignis (bei der Explosion kamen zwei Menschen ums Leben) meist aus der Feder von Chevron. Der Konzern teilte unter anderem mit, dass die Umwelt vom Brand nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Flammen seien fünf Meter hoch. Gegenüber einem BBC-Korrespondent hiess es, der Brand entwickle keinen dunklen Rauch. Das erlebte dieser anders:

Auf einem Boot, 50 Meter vom Feuer entfernt, sahen wir schwarze Blasen aufsteigen, schwarzer Rauch erfüllte die Luft.

Die Umweltorganisation «Environmental Rights Action» besuchte die Fischerdörfer nahe der Plattform – die Bilder und Aussagen der Bewohner lassen vermuten, dass der Brand sehr wohl die Umwelt beeinträchtigt. Natürlich kann auch angezweifelt werden, ob die Atemprobleme der Anwohner und der Rückgang der Fänge mit dem Brand zusammenhängen bzw. real sind.

Erstaunlich ist, dass Chevron (obwohl ja nichts passiert ist) in den Dörfern Essensrationen verteilen liess. Möglicherweise ist das auf politischen Druck passiert.

Der Stopp des Brandes kommt überraschend, offenbar hat sich das Gestein unter Wasser bewegt, und so das Gasleck von selbst geschlossen. Noch vor wenigen Tagen prophezeite Chevron, der Brand werde wohl Monate dauern. Auch das ohne grosses Medienecho.

Chevron will den Gas-Ausstos bei der Plattform nun noch einige Monate beobachten und dann den Ort verlassen.

(Bilder: eraction.com)