Einleitung

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Meine Website ist hauptsächlich eine Plattform zur Verbreitung meiner Artikel und Radiobeiträge. Zudem ist sie eine Sammlung von Fotos und Kommentaren zu Themen, die mir auf den Nägeln brannten.

In der folgenden Liste finden Sie eine Auswahl von Artikeln, die ich für Sie zusammengestellt habe.

Kommentar zu den Putschen in Mali und Guinea-Bissau und der politischen Grosswetterlage in Westafrika, veröffentlicht auf meiner Website im April 2012.

Reportage über Homosexualität in Afrika – und wieso Schwule keine Unterstützung von westlichen Politikern wünschen, gesendet vom Echo der Zeit im Januar 2012.

Kommentar zur Inauguration von Ellen Johnson Sirleaf – eine Nachbetrachtung der Wahlen in Liberia, veröffentlicht auf meiner Website im Januar 2012.

Bericht aus Benin über die zunehmende Piraterie im Golf von Guinea und deren Hintergründe, gesendet im Echo der Zeit im Februar 2012.

Interview mit dem Kopf der senegalesischen Protestbewegung «Y’en a marre», Fadel Barro, gedruckt im Spiegel im Februar 2012.

Wie viel Elektroschrott importiert Ghana? Hintergründiges zu meiner journalistischen Arbeit, veröffentlicht auf meiner Website im Sommer 2011.

Meine Website habe ich während der Zeit in Ghana, von Januar 2011 bis April 2012, aktiv und regelmässig bewirtschaftet. Sie erzielte in dieser Zeit ungefähr 25 000 Seitenaufrufe.

Putsche und Wahlen in Westafrika

Wie demokratisch ist die Region?

Abdoulaye Wade hatte ein Einsehen. Noch am Tag der Stichwahl (25. März 2012) gratulierte der senegalesische Präsident seinem Herausforderer Macky Sall zum Wahlsieg. Damit hat der Senegal seinen Status als demokratischen Staat, der er seit dem Erlangen der Unabhängigkeit 1960 ist, gefestigt, auch wenn die Demokratie im Vorfeld der Wahlen auf der Kippe zu stehen schien.

Neben dem Senegal gelten in Westafrika auch Ghana und Benin als funktionierende Demokratien, mit Abstrichen darf man Nigeria, Niger, Liberia, Sierra Leone und derzeit die Elfenbeinküste dazuzählen. Doch das kann sich schnell ändern, wie das Beispiel von Mali zeigte. Das Land galt als politisch stabil – bis zu einem Putsch vor wenigen Wochen. In der Folge wurde die Nordhälfte des Landes von einer Allianz aus Tuareg-Kämpfern und Islamisten besetzt. Die Putschisten versprechen, bald Wahlen abzuhalten. Ein derzeit unrealistisches Szenario.

Und nun Guinea-Bissau: Der Premierminister und der Interimspräsident wurden am Donnerstag von Soldaten aus ihren Häusern geholt. Das Militär vertrieb Demonstranten aus den Strassen und schloss Radiostationen. Premierminister Gomes Júnior, von dem man erwartete, dass er die Präsidentschaftswahlen gewinnen würde (im ersten Wahlgang erzielte er 49 % der Stimmen), plante, das Militär zu verkleinern. In Guinea-Bissau sind viele Generäle in den Drogenschmuggel mit südamerikanischen Kartellen verwickelt. Das kleine Land mit seinen über hundert Inseln ohne Küstenwache ist ein Umschlagplatz für Kokain Richtung Europa.

Das Militär verspricht baldige Wahlen. Es scheint kein Interesse daran zu haben, sich offiziell an der Macht zu halten. Ebenso wenig will es Missstände im Land beseitigen. Einziges Ziel ist offenbar, weiterhin ungestört die Drogengeschäfte abwickeln zu können. Aus diesem Grund ist Guinea-Bissau eine Putschhochburg und wird es wohl weiterhin bleiben.

Auch im 21. Jahrhundert gehören Staatsstreiche zum politischen Alltag Westafrikas. Im Gegensatz zu früher halten sich jedoch die Putschisten nicht mehr jahrelang an der Macht. Relativ rasch werden jeweils Wahlen organisiert – auch als Reaktion auf internationalen Druck. In Mali und Guinea-Bissau etwa reagierte die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) schnell mit der Androhung von wirtschaftlichen Sanktionen und forderte von den Militärs Neuwahlen.

Wie demokratisch die Wahlen schliesslich ablaufen, ist als Aussenstehender oft schwer zu beurteilen. Doch dank mobilem Internet und SMS werden die Resultate einzelner Wahlbüros heute in Windeseile verbreitet. Im Senegal etwa wurden zwei Stunden nach der Schliessung der Büros Resultate auf Twitter veröffentlicht. Wer diese aufaddierte, erhielt bereits den Trend, der auch dem Schlussresultat entsprach. Wahlbetrug wird somit in Zukunft erschwert. Möglicherweise hat Senegals Präsident Wade deshalb Herausforderer Sall so rasch gratuliert – ein Umbiegen der Resultate wäre schlicht nicht möglich gewesen. Eine Zukunft mit mehr Demokratie in Westafrika ist möglich.

Aufschrei von Senegals Jungen

Fadel Barro, Y'en a marre, in Dakar am 3.2.2012

In Dakar wird weiterhin gegen Präsident Abdoulaye Wade demonstriert.

Fadel Barro (34) ist Sprecher der Bewegung «Y’en a marre!» (Jetzt reichts!). Er hat die Bewegung vor einem Jahr zusammen mit Freunden aus der Rap-Szene gegründet – als Reaktion auf die häufigen Stromausfälle in der Hauptstadt Dakar. Barro ist Journalist, seit zwei Monaten jedoch nur noch für die Gruppierung tätig.

«Y’en a marre» ergreift keine Partei für einen Präsidentschaftskandidaten. Doch sie will die Wiederwahl von Senegals Präsidenten Abdoulaye Wade verhindern. Vor zehn Tagen hat der Verfassungsrat im Senegal die Kandidatur Wades für eine dritte Amtszeit zugelassen, obwohl die Verfassung nur zwei Amtszeiten vorsieht.

Gemeinsam mit der M23-Bewegung, die vorwiegend aus Oppositionsparteien besteht, ruft «Y’en a marre» zu Demonstrationen auf.

Fadel Barro, Y'en a marre, in Dakar am 3.2.2012

Samuel Burri: Wird im Senegal nun demonstriert bis zu den Wahlen am 26. Februar?

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«Schwule sind wie Tiere»

Westliche Staatschefs fordern eine Legalisierung der Homosexualität in Afrika. Doch diese Unterstützung wollen selbst die afrikanischen Schwulen nicht.

Amerikanische Popmusik dröhnt in einer Disco im Ausgangsviertel Osu. Der Raum ist verspiegelt, entlang der Wände stehen Lederfauteuils, in denen sich das Partyvolk fläzt. Die Kühlschränke hinter der Bar sind beleuchtet und werben für internationale Likörmarken. Ein ganz normaler Ausgangsort in Ghanas Hauptstadt Accra.

Doch immer mittwochs ist hier alles etwas anders – Männer tanzen mit Männern. Das hat Seltenheitswert in Afrika. Die Klubnacht für Schwule mitbegründet hat der 23-jährige Kojo. «Meine Freunde und ich wollten einen Ort, wo wir nicht ausgegrenzt werden», erzählt er. «Wir sammelten Geld, mieteten den Klub – und haben Spass!»

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Sich sonnen mit Ellen

hillary und ellen, (c) reuters

Jetzt zeigen sich die Folgen der Ränkespiele rund um die Wahlen in Liberia.

US-Aussenministerin Hillary Clinton besucht kaum je eine Amtseinsetzung eines afrikanischen Staatsoberhaupts. Erst recht nicht, wenn es sich um eine Wiederwahl handelt. Die Ausnahme dieser Regel ist Ellen Johnson Sirleaf, Friedensnobelpreisträgerin 2011 und Präsidentin Liberias für weitere sechs Jahre.

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Benin: Paradies für Piraten?

Piraten vor der Küste Afrikas verortet man normalerweise im Osten, um Somalia. Doch an der Westküste des Kontinents mehren sich Angriffe auf Schiffe. Besonders in Benin – das Land droht zur Piratenhochburg zu werden.

Der Hafen von Cotonou dient vielen Zwecken: Frauen zerteilen und verkaufen frische Fische, auf hoher See von den Fischern in ihren urtümlichen Holzbooten gefangen, die gleich daneben angelegt haben. Moderne Kräne heben Container von Frachtschiffen. Auch die Marine hat ihre Basis hier.

Der Hafen ist Benins Lebensader – mehr als die Hälfte des Staatseinkommens stammt direkt oder indirekt aus Aktivitäten am Hafen. Aus seinem Büro blickt Clément Godonou direkt auf die Containerberge, er leitet den beninischen Zweig der italienischen Reederei Grimaldi. Und Godonou lobt den heimischen Hafen: «Captain, Sie kommen ins Paradies!», sage er den Schiffsführern seiner Reederei jeweils, wenn diese sich nach dem Zustand des Hafens erkundigten.

Doch das Paradies ist in Gefahr – Piraten haben sich breitgemacht. Vor Benins Küste kam es in diesem Jahr bereits zu rund 20 Angriffen. Die Zahl der nicht gemeldeten Piratenzwischenfälle wird auf nochmals so hoch geschätzt. Unterdessen wurden die Gewässer vor Benin als Hochrisikozone deklariert – das lässt die Versicherungsprämien in die Höhe schiessen.

Die Piraten greifen hauptsächlich Öltanker an. Kann sich die Mannschaft nicht rechtzeitig im Maschinenraum verschanzen, wird sie gezwungen, den Tanker in unbekannte Gewässer zu fahren. Dort wird das Öl auf ein Schiff der Piraten gepumpt, die Wertsachen der Crew werden geklaut und der Tanker wird wieder freigelassen. Das gestohlene Erdöl wird oft illegal weiterverarbeitet. Das hat Folgen für die Umwelt und die Sicherheit der Region. «Wo es Erdöl hat, gibt es immer Krach», sagt Clément Godonou schulterzuckend. Seine Reederei verfügt über keine Tankschiffe, doch die Piratenangriffe zwingen auch Grimaldi, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen.

Benins Marine besitzt vier Boote, sie liegen im Hafen vertäut. Zwei ältere, Geschenke von China, sind derzeit nicht seetauglich. Die beiden neuen haben die USA kürzlich gestiftet; die Defender-Boote haben eine Länge von etwa acht Metern. Wir unternehmen eine kleine Rundfahrt. Kaum hat das Boot den Hafen verlassen, wird es von den Wellen hin- und hergeworfen. Die Besatzung besteht aus vier Mann – so macht Benin Jagd auf Piraten.


Die Flotte von Benins Marine. Im Vordergrund: defektes chinesisches Boot, dahinter die beiden funktionierenden Boote aus den USA.

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